Nur eine Theorie?

Religiöser Fundamentalismus ist schlecht. Wer ein Buch — sei es die Bibel oder der Koran — für die Worte einer höheren Macht hält, verschließt sich rationalen Argumenten. Soetwas gibt es nicht nur in der arabischsprechenden Welt, sondern auch in westlichen Ländern. Zum Beispiel gibt es hier in Uppsala, mitten im eigentlich äußerst säkularen und atheistischen Schweden, eine extrem bibeltreue und kreationistische Vereinigung, die sogar “Schüler” aus Deutschland anzieht.

Die Debatte um Intelligentes Design (ID), ein Versuch, Kreationismus in ein wissenschaftliches Gewand zu kleiden, wird in den USA viel heftiger geführt als in Europa, auch wenn solcher Unsinn hier keineswegs eine geringe Rolle spielt: Laut einer Umfrage in England halten nur 48% der Leute Evolution für die richtige Erklärung für die Entstehung des Lebens, gegenüber 39%, die Kreationismus bzw. ID antworteten (Quelle).

Eines der “Argumente” der ID-Gläubigen ist, dass Evolution “nur eine Theorie” sei und deswegen nur eine von vielen möglichen Theorien. Ersteres ist prinzipiell richtig, aber es wird dabei völlig verschweigen, dass der Begriff Theorie im wissenschaftlichen Zusammenhang anders verwendet wird als im normalen Sprachgebrauch. Mit Theorie werden in der Wissenschaft oft die am besten getesteten und erfolgreichsten Konzepte bezeichnet, im Gegensatz zu Hypothese, das eher die Unsicherheit und Vorläufigkeit der Theorie im normalsprachlichen Sinn wiedergibt.

Es ist also ein inhaltsloses Argument gegen Evolution und spiegelt auch ein generelles Unverständnis des Wissenschaftlichen Prozesses wieder. Auch wenn eine gängige Theorie (noch) nicht alles erklären kann, gibt man sie nicht auf, bis jemand mit einer besseren aufwartet. Diese muss allerdings auch wirklich die bisherige Theorie übertreffen und das ist in Anbetracht des immensen Erfolges der etablierten Wissenschaft ein schwieriges Unterfangen. Das genannte Beispiel “Intelligent Design” ist eben gerade kein solcher Fall, denn es hat als Alternative zu Evolution keinerlei Erklärungspotential.

Der eingentliche Grund, warum ich all das schreibe, ist, dass es jetzt auch die “Theorie” vom Urknall (Big Bang), also der Entstehung des Universums getroffen hat. Ein übereifriger Funktionär der Bush-Regierung will der NASA verbieten, den Big Bang als eine Tatsache darzustellen. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sich darüber totlachen.

Nachtrag: Oben genannter DerUrknallIstNurEineTheorie-Mensch musste eben seinen Hut nehmen weil er in seinem Lebenslauf gelogen hat.

(Ed: Dieser Text wurde zuerst auf blogressiv.de veröffentlicht und dort finden sich eventuell weitere Kommentare.)

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  1. Nachtrag: Nikloai schreibt auch: “du schaffst es auch nicht, alle meine Quellen schlecht zu machen, denn es sind inzwischen auch einfach zu viele!”
    Fein, bestreitet auch niemand. Nur ersetzt Quantität nicht die Qualität. Und ich habe mich (siehe oben) mit den Verfassern seiner Quellen und ihrer Herkunft befaßt. Darauf ging er nicht ein. Es ist ihm egal, dass seine Quellen (die Philosophen sind, also von der Materie eigentlich nichts verstehen, sich aber als Experten bezeichnen) teilweise aus dem Jahr 1991 zitieren, obwohl die Astronomie seit dem dank Hubble-Teleskop um Quantensprünge weiter ist! Auf diese Argumente geht er nicht ein, dabei bin gerade ich durchaus bereit, mich eines besseren belehren zu lassen, denn es ist mir im Prinzip egal, ob das Universum “ewig” ist oder aus einem Urknall entstand (beides läßt übrigens die Frage offen, woher es denn nun kommt). Aber dazu hätte ich gerne Argumente von ernstzunehmenden Wissenschaftlern und nicht von Philosophen gehört.

    Zu seinem “neuen Galileo Galilei” sagt Wikipedia: “Arp ist bekannt für die umstrittene Theorie, dass die Rotverschiebung von astronomischen Objekten wie von Quasaren nicht sehr große Entfernungen anzeigen. Damit bestreitet er eine der Grundlagen für die Urknalltheorie. Ebenso vertritt er eine alternative Gravitationstheorie im Sinne der Le-Sage-Gravitation.”

    OK, da bin ich nicht tief genug in der Materie, um dies zu kommentieren. Aber in der Wissenschaft hat sich die Wahrheit immer mit der Zeit durchgesetzt und wenn Arp recht hat, wird die Zeit dies auch zeigen. Trotzdem erinnern mich die Argumente an kreationistische Biologen und Geologen (die es ja auch gibt) und die in haarsträubender Weise ihre Theorien versuchen wissenschaftliche zu untermauern und gegen die Lehrmeinung zu Felde ziehen.

    Und anscheinend hat er sich ja nun von dieser Seite verabschiedet, was ebenfalls an Kreationisten erinnert, die – wenn sie bei einer Diskussion schlecht aussehen – erst ihre “Gegner” beschimpfen und sich dann der Diskussion entziehen. Und ich wiederhole das: Ich hätte mich gern überzeugen lassen, aber dazu braucht es mehr, als vereinzelte Astronomen und eine Reihe von Philosophen…

    Nikolai kämpft mit einer radikalen Verbissenheit dafür, die auch schon fast etwas religiöses hat (sorry!). Wissenschaft sollte doch eigentlich emotionsfrei argumentiert werden können und die Diskussion nicht auf ein solches Niveau absinken.

  2. @ Nikolai Thoma
    ich weiss nicht ob eine antwort noch was bringt aber ich hoffe das du nochmal auf dieser seite vorbeischaust.
    ich bin der meinung das du etwas überreagierst.der beitrag von thomas
    war nicht so beleidigent wie du vielleicht meinst.der thomas warnt nur vor falschen experten.
    ich fände es schade wenn du wegen ein paar leuten die deine theorie bzw deine quellen nicht akzeptieren an dieser diskussion nicht mehr teilnehmen würdest.

  3. @wolfgang: Vollkommen einverstanden! Vor allem warte ich ja mal auf echte Argumente, die Nikolai selbst schreibt, anstatt Links zu hinterlassen. Das wäre etwas handfestes, was man diskutieren kann! Auch ich würde gern Argumente von ihm hören und eine sachliche Diskussion führen, ohne emotionale Aufgeregtheit!
    Übrigens: Wenn Nikolai meine Kommentare mit mehr Aufmerksamkeit und weniger Emotion gelesen hätte, dann hätte er auch bemerkt, dass ich die “ewiges Universum Theorie” nie mit dem Kreationismus verglichen habe, sondern lediglich auf Ähnlichkeiten in der Argumentation zwischen beiden hingewiesen habe. Wenn ich mich diesbezüglich undeutlich ausgedrückt habe, dann sagt es mir und ich versuche meinen Denkansatz besser zu erklären.

  4. @tom:ich mag diese links in massen auch nicht und hätte auch lieber seine argumente gelesen als mich durch hunderte von seiten zu wühlen.
    ich persönlich habe eine gewisse abneigung an ein ewiges Universum zu glauben aber ich muss zugeben das der urknall auch meiner logik einen schlag versetzt denn wie kann etwas aus dem nichts entstehen.

    ich glaube das du dich nicht undeutlich ausgedrückt hast. der nikolai hat das einfach nur in den falschen hals bekommen.

  5. @wolfgang: Die Frage ob und wie etwas aus dem Nichts entstanden ist, ist (noch) nicht geklärt. Man weiß, ob da vorher etwas war und wenn ja, was. Oder wie der Urknall zu Stande gekommen ist. Aber die Alternative, ein ewiges Universum, ist genauso unbefriedigend, denn es bleibt auf die gleiche Frage eine Antwort schuldig.
    Es gibt Erklärungsansätze mit einer Unzahl von Paralleluniversen und Quarks und was nicht noch alles. Aber da wird die Materie so kompliziert, dass ich kapitulieren muss. Wahrscheinlich ist das für den menschliche Verstand fast nicht fassbar, was da abgelaufen ist. Schließlich ist ja selbst die Zeit relativ. Es ist ja mit Atomuhren nachgewiesenworden, dass Einstein mit der Relativität der Zeit recht hatte und sie, je stärker die Schwerkraft ist, desto langsamer vergeht. Demnach müssen wir wahrscheinlich unser Denken in lediglich 3 Dimensionen über Bord werfen und mindestens eine vierte dazunehmen, nämlich die Zeit, die woanders in anderer Geschwindigkeit vergeht. Ich habe schon Artikel über 11 Dimensionen gelesen, allerdings habe ich sie ehrlich gesagt, nicht mehr verstanden. Irgendwann, wenn ich mal Zeit habe, werde ich mich damit beschäftigen, denn interessant ist es ganz sicher.

  6. Das haben wir schon X-mal durchgekaut, aber jeden Morgen steht ein neuer Ididot auf und behauptet den gleichen Scheiß

    Kein Beitrag des creation-research (hier CR) oder intelligent-design (hier ID) wurde je in einer wissenschaftlichen Zeitschrift von Rang (peer-review) publiziert, wie G. W. Gilchrist von der Universität Washington 1995 nach Sichtung von etwa Hunderttausend Artikeln feststellt. Neue Untersuchungen von Barbara Forrest von der Southeastern-Louisiana-University und Lawrence M. Krauss von der Case-Western-Reserve-University bestätigten dies. Fundamentalismus hat nie wissenschaftliche Fakten zu einem Fach beigetragen. CR und ID sagen nie etwas vorher, sie behaupten in allen Varianten jedes Ding ist so wie es immer war, weil Gott es so geschaffen hat. Die Kreationisten berufen sich auf die Bibel-Version des homosexuellen Königs „King-James“ von 1769 n.C.- peinlich.

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