June 2006

Monatliches Archiv für June 2006.

Ich hatte es ja schon einmal von ihm, aber der Herr Stoiber macht natürlich weiter. Wieder einmal fordert er eine Verschärfung des Paragraphen 166, der ja “nur” Strafen vorsieht, wenn die öffentliche Ordnung gestört wird. Wozu das Herumtrampeln auf religiösen Gefühlen führe, habe man ja bei den Mohammed-Karikaturen gesehen.

Erkläre diesem Mann doch bitte einmal jemand den Gedanken der Aufklärung. Dass man für Gotteslästerung hierzulande nicht mehr verbrannt wird, ist eine Errungenschaft und kein Zustand, dem abgeholfen werden muss. Im Gegenteil! Desensibilisierung ist eine gute Sache und das Ziel ist, verrückte Ideen, wie sie von Religionen verbreitet werden, in ihrem Einfluss zu minimieren und irgendwann loszuwerden.

Rücksicht auf religiöse Gefühle bestärkt die Ewiggestrigen, ermuntert sie, sich aufzuregen, und führt generell in die falsche Richtung. Nichts ist heilig.

Eine schicke Weltkarte ist das, auf der die Welt nach vorherrschender Religion eingefärbt ist. Leider taucht darauf die Farbe zu “vorwiegend atheistisch” erst gar nicht auf.

Es kann deprimierend sein, welch kleiner Minderheit man als Atheist angehört und dass ein Großteil der Weltbevölkerung sich von Märchenerzählern leiten lässt. Da ist es auch kein echter Trost, dass wir recht haben. :-(

Richard Dawkins ist Evolutionsbiologe und unter anderem durch populärwissenschaftliche Bücher (“Das egoistische Gen”) bekannt. In einer TV-Serie für das britische Fernsehen mit dem Titel The Root of All Evil? greift er das grundlegende Problem auf, das alle Religionen gemein haben: Sie verhindern kritisches Denken und Vernunft.

Ich stimme völlig mit ihm darin überein, dass Religion und Wissenschaft einander gegenüber stehen und dass es Unsinn ist zu behaupten, dass sie nebeneinander existieren können oder sogar miteinander vereinbar sind. Die beiden bisherigen Abschnitte der Serie finden sich auf Google Video und sind ein echtes Muss:

Gestern wurden drei jungen Schweden zu Haftstrafen verurteilt, weil sie einen Anschlag auf das Gebäude von Livets Ord verüben wollten.

Aus diesem Anlass hier ein paar Worte über dieser Organisation, deren Hauptsitz Uppsala zu zweifelhafter Ehre gereicht. Der Name bedeutet “Wort des Lebens” und es handelt sich dabei um eine dieser neuapostolischen christlichen Vereinigungen mit charismatischen Predigern, wie sie in den USA stark verbreitet sind. Ein Überbegriff ist wohl Wort-des-Glaubens-Bewegung.

Natürlich geht es dabei um Geld und kräftige Spenden der Kirchgänger werden vorausgesetzt und wenn nötig per Gruppenzwang durchgesetzt. Jegliche Kritik ist selbstverständlich Satans Werk persönlich und wenn man nur macht, was der Leithammel sagt, wird alles gut. Nun könnte es einem ja prinzipiell einerlei sein, was andere Menschen glauben, solange sie einen damit in Ruhe lassen. Das Problem ist aber, dass solche Gruppen nach gesellschaftlichem Einfluss streben und diesen auch erreichen. Livets Ord unterhält zum Beispiel eigene Schulen und eine selbsternannte “Universität”. Wer mehr wissen will. kann hier weiterlesen, oder sich hier auf schwedisch weiter abschrecken lassen.

Ich halte Schweden generell für säkularer und atheistischer als Deutschland, weiss aber nicht, ob Vereine wie Livets Ord diesen Zustand ernsthaft gefährden oder nur die Ausnahme der Regel sind. Wie auch immer – es ist nicht nur schade sondern eine Schande, dass es so etwas immer noch gibt.

Ein mutiger Ukrainer wollte es wissen und argumentierte, dass die Löwen ihm nichts antun würden, wenn er zu ihnen in den Käfig steigt. Gott würde ihn schließlich beschützen. Den Ausgang der Geschichte kann sich jeder denken – aber welche Lehre kann man daraus ziehen? Mindestens zwei:

  • Religiöse Aussagen empirisch testen zu wollen, geht immer schief.
  • Auch die Spezies Mensch ist der natürlichen Auslese unterworfen.

    (Quelle, schwedisch)

Die ZEIT hatte neulich einen Artikel über die Templeton Foundation, eine finanziell sehr gut ausgestattete Organisation, die versucht, die Grenzen zwischen Wissenschaft und Spiritualität aufzuweichen. Ich finde, dass es eine sehr bedenkliche Entwicklung ist, dass Wissenschaft nicht mehr als Gegenpol zu Aberglaube, Religion und Spiritualismus gesehen wird.