August 2006

Monatliches Archiv für August 2006.

Schweden ist säkularer und atheistischer als Deutschland. Das spiegelt sich auf viele Arten wider und ein Beispiel ist die Meldung (S), dass nichtreligiöse Beerdigungen immer häufiger werden. Seit 2001 hat sich die Zahl fast verdoppelt.

Im Großraum Stockholm ist der Anteil mit 10% am höchsten. Das ist natürlich noch keine Mehrheit, aber die Entwickling geht in die richtige Richtung. Kommunale Friedhöfe, die nicht an eine bestimmte Religion geknüpft sind, sind keine Seltenheit.

Kennt jemand den Prozentsatz nichtkirchlicher Beisetzungen in Deutschland?

Vorhin fuhr ich Bus, hier in Uppsala. Ich holte unseren Wellensittich von einer Freundin zurück, wo er während unseres Kurzurlaubs war. Ich steige also in den Bus und setze mich neben den Kinderwagenplatz, wo der Käfig Platz findet. Neben mir sitzt ein älterer vollbärtiger Mann, der einen Klappstuhl mit sich führt.

Es dauert nicht lange bis er mich anspricht, auf den Vogel natürlich. Als ich ihm antworte, dass es ein Weibchen ist, fragt er, warum ich kein Männchen dazu habe. Schließlich will sie sich doch paaren und das ist ja überhaupt das, worauf alles hinausläuft. Eigentlich unwillig, mich zu rechtfertigen, kamen wir dann doch recht schnell auf ihn selbst zu sprechen und er sagte, dass fast 30 Jahre lang Vögel hatte, bis “die Religiösen” es ihm verbieten liessen.

Bitte? frage ich. Ja, sagt er, sie waren der Ansicht, er behandelte seine Vögel nicht gut. Und verprügelt hätten sie ihn auch schon, weil sie echt sauer seien, weil er Leute enttaufe. Zum Beweis zeigt er mir sein Schild mit dem er sich in der Fußgängerzone auf seinen Klappstuhl setzt und Leute dazu auffordert, sich von ihm enttaufen zu lassen.

Ich komme nicht dazu, ihn zu fragen, wie er das denn mache, denn seine Haltestelle nähert sich, aber ich bekundete meine Sympathie zu seinem Tun. Er wiederholt beim Aussteigen, dass die Religiösen richtig wütend auf ihn seien, und dass eben die, die Liebe predigen, die ersten seien, die zuschlagen.

Die Pause, die Bloggerkettenbriefe in letzter Zeit eingelegt hatten, scheint lange genug gewesen zu sein. Es kursiert wieder ein Blogger-Stöckchen und neulich wurde es mir zugeworfen – also los:

Warum bloggst du?
Ist das nicht offensichtlich? Weil ich glaube, etwas zu sagen zu haben. Die eigentliche Motivation kommt jedoch erst, wenn man es irgendwie hinbekommt, interessant genug zu schreiben, dass es auch gelesen wird. Man entwickelt sich dabei weiter, versucht sich an bisher Ungewohntem, kann üben, sich auszudrücken und noch viel mehr. Vielleicht spielt auch der technische Aspekt eine gewisse Rolle zu Beginn (Software aufsetzen und zurechthacken), aber irgendwann geht es nur noch um Inhalt.

Seit wann bloggst du?
Meine Blogger-Historie: Ich habe gerade nachgesehen und mein erster Blogeintrag ist vom 6. Mai 2004, als ich mich entschloss, Drupal für meine Homepage zu installieren. Der erste Eintrag hat lächerlichen Inhalt und ist lediglich eine Referenz zu Slashdot, einem (_dem_?) Urgestein der Blogs. Auf thomasmarquart.net schreibe ich immer noch (v.a. auf Englisch aber nicht nur), wenn auch sehr sporadisch und meist über technisches oder geek-artiges. Dort ist auch mein Bilder-Archiv.

2005 kam dann ein rein deutschsprachiger Blog: blogressiv.de. Als Gemeinschaftsblog geplant, war es dann aber doch fast nur ich, der dort zu politischen und gesellschaftlichen Themen schrieb. Blogressiv litt und leidet an mangelnder Ausrichtung, weswegen ich mittlerweile zwei speziellere Blogs zu Themen habe, die auf Blogressiv angeschitten wurden:

  • Fiket.de handelt von Schweden und auch ein wenig von meinem Leben dort. Ich versuche, Unterschiede zu Deutschland herauszuarbeiten und auch den Blick von außen auf selbiges abzudecken. Hier schreibe ich heute am meisten.
  • Atheist und Gut entstand spontan, als ich mich einmal wieder maßlos über religiöse Ignoranz und Arroganz aufgeregt habe. Hier schreibe ich seltener, aber denke, dass dieses Thema hohes Blogpotential hat. ;-)

    Selbstportrait?
    Im Bild, das in meinen allerersten Blogeintrag (s.o.) verlinkt ist, bin ich der unten in der Mitte und sehe auch heute noch so aus.

    Warum lesen deine Leser deinen Blog?
    Gute Frage, aber genug tun es.

    Welche war die letzte Suchanfrage, über die jemand auf deine Seite kam?
    Zu Atheist und Gut war es Das Wunder von La Palma, zu Fiket Störfall Forsmark, weil die deutschen Medien das Thema verpennt hatten und ich da die letzten zwei Tage mit einem Artikel von letzter Woche ganz oben auftauchte.

    Welcher deiner Blogeinträge bekam zu Unrecht zu wenig Aufmerksamkeit?
    Zu Unrecht? Keiner. Es sind doch die Leser, die das entscheiden…

    Dein aktuelles Lieblings-Blog?
    Vielleicht netzpolitik.org oder Cosmic Variance oder der Polarblog oder gar astro-ph ? Nein, letzterer dann doch nicht.

    Welchen Blog hast du zuletzt gelesen?
    Alle meine abonnierten natürlich. Mein neuester Zugang zur Liste ist xkcd.com mit tollen Zeichnungen.

    Wie viele Feeds hast du gerade im Moment abonniert?
    “83485 items in 138 feeds” sagt mein Gregarius. Die alten Beiträge in der Datenbank zu behalten ist sehr praktisch, wenn man etwas wiederfinden möchte.

    An welche vier Blogs wirfst du das Stöckchen weiter und warum?
    Bis hierher habe ich brav mitgemacht, jetzt werd’ ich zum Spielverderber. Ganz einfach, weil ich niemandem diese Bürde zwangsweise auferlegen möchte. Wer das hier liest und das Stöckchen will, möge laut “HIER!” rufen, oder sich einfach mit der ID 12112212324 beim Don eintragen. :-)

Von hier (E):

Was ist der Unterschied zwischen einem Atheisten und einem Agnostiker? Ein Agnostiker ist ein Atheist, der Angst davor hat, dass Gott stinksauer sein wird, wenn er unrecht hat.

Wer sich zu Recht fragt, warum ein säkularer Staat Steuern für Religionsgemeinschaften eintreiben soll, kann mit dieser Petition dazu beitragen, dass dieser Missstand vielleicht bald beseitigt wird.