Konkordatslehrstühle

Dass im Gesundheitswesen den Kirchen mit staatlichen Geldern viel unverdiente Macht geschenkt wird, ist bekannt. Dass das in einigen Fächern auch für Lehrstühle an Universitäten gilt, war mir neu und ich finde es skandalös für einen säkularen Staat.

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  1. “Dass im Gesundheitswesen den Kirchen mit staatlichen Geldern viel unverdiente Macht geschenkt wird, ist bekannt. ”

    Echt? Mir ist das nicht bekannt. Ich kann die Vorwürfe des verlinkten Artikels in ihrer Pauschalität nicht nachvollziehen.

    Die Kirchen werden in ihrer sozialen Arbeit nicht bevorzugt. Sie erhalten (bei Krankenhäusern und Pflegeheimen etwa) die üblichen Pflegesätze und Krankenkassenleistungen, nicht mehr und nicht weniger also als eine private Klinik.

    Und ich bezweifele, daß privat geführte Kliniken stets besser sind als kirchliche. Ich mag auch nicht recht glauben, daß pflegebedürftige Menschen von einem bloß auf Gewinnerzielung ausgerichteten Unternehmen besser versorgt werden als von einem Träger, dessen Maxime das Helfen ist.

    Und zu dem Vorwurf, es entstünde zuviel Arbeitgebermacht und die Beschäftigten seien diskriminiert verglichen mit Angestellten nichtkirchlicher Einrichtungen: Ich halte es für völlig normal, daß christliche Kirchen festlegen, daß ihre Mitarbeiter Mitglied einer christlichen Kirche zu sein haben und den zentralen Glaubensinhalten zustimmen.

    Ein Verband von Atheisten würde auch keine fundamentalistischen Christen beschäftigen.

    Nichtsdestotrotz erlebe ich, daß die Kirche und kirchliche Einrichtungen ein attraktiver Arbeitgeber zu sein scheinen. Ich war kürzlich an zwei Einstellungsverfahren beteiligt. Beide Bewerber haben sich ganz bewusst für die Arbeit in einer kirchlichen Einrichtung entschieden, obwohl der christliche Glaube nur im Leben eines der beiden eine größere Rolle spielt.

    “Dass das in einigen Fächern auch für Lehrstühle an Universitäten gilt, war mir neu und ich finde es skandalös für einen säkularen Staat.”

    Die Konkordatslehrstühle sind m. E. ein Anachronismus und sowohl katholische Kirche als auch der Freistaat Bayern wären wohl gut beraten, wenn sie auf ihre Abschaffung hinarbeiten würden.

    In einem aber möchte ich Dich korrigieren: Deutschland ist kein säkularer Staat im eigentlichen Sinne, sondern ein weltanschaulich neutraler Staat. Schon aus der Präambel des Grundgesetzes erkennt man, daß unser Staatswesen nicht religionslos, sondern religionsneutral ist.

    Skandalös wäre es also höchstens, wenn in Bayern heute zwei gleich große Weltanschauungsgemeinschaften existieren würden und der Freistaat Bayern Religionsgemeinschaft A Lehrstuhlbesetzungsrechte einräumt, Religionsgemeinschaft B aber nicht.

  2. Ich finde es extrem skandalös wenn man z.B. in Passau nur bei einem offiziellen oder einem heimlichen Katholiken Philosophie studieren kann.