Religion ist ein seltsames Thema. Es erregt die Gemüter der Menschen. Trotz der recht geringen Aktivität und Leserzahl dieses Blogs kommen regelmäßig Kommentare von aufgebrachten Menschen, die mich beziehungsweise alle Atheisten beschimpfen. Natürlich werden solche Kommentare nicht freigeschaltet.
Auch bei Bemerkungen von Leuten, die meinen, es reiche aus, ein abgedroschenes Argument in einem Satz zu wiederholen, um etwas zu “belegen”, überlege ich zweimal, bevor ich sie freigebe. Schließlich will ich Unsinn nicht unbeantwortet auf meiner Seite stehen lassen (das könnte als Zustimmung missverstanden werden) und es ist mühsam, sich jedesmal auf einen Flamewar einzulassen.
Ein schönes Beispiel für “abgedroschenes Argument” ist folgendes: Ihr Atheisten glaubt genauso an etwas, nämlich daran, dass es keinen Gott gibt, aber beweisen könnt ihr das nicht.
Hiervon einmal ganz abgesehen. Ist es so schwer zu befreifen, dass außerordentliche Behauptungen außerordentliche Beweise erfordern? Wenn ich behaupte, ich hätte einen Drachen in meiner Garage1, dann glaubt mir hoffentlich keiner, wenn ich ihn nicht vorzeigen kann. Kurz und gut: Die Beweislast liegt bei denen, die behaupten, es gäbe einen Gott, nicht bei uns, die vernünftigerweise davon ausgehen, dass nicht.
1Beispiel von Carl Sagan geklaut.
Schlagworte: AtheistUndGut, Gottesbeweis
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@ Stefan: Warum sollte ein Gott wahrscheinlicher sein als ein Drache?
Ansonsten: wenn wir nicht beweisen können, das Gott nicht existiert, können die Monotheisten dann beweisen, dass nur EIN Gott existiert?
Warum nicht viele, wie bei den alten Griechen/Römern/Ägyptern/bel. polytheistische Rel. ? -
Katholiken haben kein Problem damit – oder sollten es nicht haben – zum hl. Georg vor einem Bild dieses Drachentöters zu beten. Die Gleichung “Drachen gibts nicht, also auch keinen Drachentöter” kommt ihnen nicht in der Sinn, weil ihnen das Zuendedenken frühzeitig abgewöhnt wurde, weil schädlich fürs Seelenheil.
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Ohne Religionen wäre die Welt friedlicher.
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Das ist einfach keine seriöse Diskussion. Eine rationale Weltsicht einfordern und dann “mich recht erinnere”, “tatsächlich(!) der Fall”, “nicht belegen lässt”, “Mythos”. Dann sollte man vielleicht auch mal eine belastbare Quelle zitieren. Der 2. Weltkrieg war sicher kein religiös motivierter Krieg. Aber da gibt es bestimmt auch schon Untersuchungen, die das Gegenteil beweisen…
Das wars von meiner Seite hier.
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Religion ist wie ein Virus. Nur befällt er den Geist einem Menschen und trägt über den Wirt mit “Feuer und Schwert” zu seiner Verbreitung bei bei.
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Wie sagt Dawkins so schön? Wir sind einfach schon einen Gott weiter …
Prima Seite. Mach weiter so!
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@ Stefan: Ob A. Hitler atheist war, darüber lässt sich streiten. Noch in den 30ern hat er sich selbst als Christ gesehen.
Über was sich aber nicht streiten lässt ist die Tatsache, daß er diesen Krieg nicht alleine geführt hatte. Das deutsche Volk hat ihm da ein wenig geholfen. Und zu glauben das die Deutschen – die vor 1940 und nach 1945 größtenteils Christen waren – im Nazireich plötzlich alle zu Atheisten wurde… das ist schon etwas naiv. -
Es besteht ein Unterschied darin, ob ich schreckliche Dinge im Namen einer Religion begehe oder ob ich schreckliche Dinge im Namen einer Ideologie begehe und zufällig dieser oder jener Relgion angehöre.
Hitler war römisch-katholisch. Aber würde auch nur einer hingehen und behaupten, Hitler hat so gehandelt, weil er römisch-katholisch war? Wohl kaum. Ebenso wenig würde jemand behaupten, Stalin habe so gehandelt, weil er Atheist war.
Und zu dem Argument, dass Atheismus auch ein Glaube sei (nämlich der, dass man nichts glaubt): Es ist im engeren Sinne richtig. Atheismus ist nicht nur die Abwesenheit eines Gottglaubens, sondern auch die aktive Verneinung, dass es einen Gott/Götter geben könnte. Insofern ist es der Glaube an die Theorie der Nichtexistenz eines Gottes.
Ich selbst lasse es offen, ob jemals ein Drache in meiner Garage sein könnte. Das nennt man dann Agnostizismus – die Einsicht, dass der Mensch zum heutigen Zeitpunkt weder über Mittel noch Wissen verfügt, um eine Antwort auf die Frage nach einem möglichen Gott zu finden. Ich bin mir sicher, viele Atheisten da draußen sind eigentlich Agnostiker, ohne es zu wissen. Und da greift das Argument dann nicht, dass man ja auch an etwas glaube. Denn: Eine Glatze ist keine Haarfarbe.
Möchte man jede Möglichkeit diskutieren und wirklich vollständig offen bleiben in der Diskussion, so kann weder das eine noch das andere behauptet werden – weder dass es einen Gott, noch dass es keinen Gott gibt. Im sogenannten schwachen Agnostizismus wird davon ausgegangen, dass dies gegenwärtig nicht erkennbar ist und es offen bleibt, ob wir jemals die Frage nach einem Gott beantworten können. Der starke Agnostizismus geht dagegen davon aus, dass wir auch zukünftig niemals eine Antwort darauf finden.
Ganz egal, aus welcher Richtung die Abwesenheit von Gottesglaube nun stammt: Was die Gläubigen stört, ist die Tatsache, dass jemand die Möglichkeit unterbreitet, dass es keinen Gott gibt. Denn das stellt ihre innersten Überzeugungen in Frage. Und dahinter steckt Angst. Angst davor, dass da eine Schere sein könnte, die den dünnen Faden durchschneidet, an dem ihr gedankliches Lebenskonstrukt hängt. Angst davor, dass es keine absolute Wahrheit gibt. Im übrigen liegt genau hierin die Gefährlichkeit von Religion: Anspruch auf absolute Wahrheit bringt unter anderem gewaltbereite Fanatiker auf den Plan.
Wie unsinnig es jedoch ist, für sich die absolute Wahrheit zu beanspruchen, kann eine kleine Märchengeschichte besser erklären:
Einst wollte ein König in seinem Reich die relative Wahrheit abschaffen und verfügte ab sofort per Dekret die absolute Wahrheit. Das Dekret besagte, dass jeder, der sein Reich betrat, die absolute Wahrheit sprechen musste. Tat er das nicht, wurde er als Lügner verurteilt und gehenkt.
In der Nähe des Königreiches lebte ein verrückter Weiser. Als er von dem Dekret erfuhr, musste er laut lachen. Er reiste zu dem König und trat dann mit folgenden Worten vor ihn: ‘Ich belüge dich, und kraft deines Dekrets wirst du mich noch heute henken lassen.’
Der König war verblüfft. Henken lassen konnte er den Verrückten nicht, sonst hätte dieser ja die Wahrheit gesprochen. Ließ er ihn aber nicht henken, so hätte dieser ungestraft gelogen.
Der König tat daraufhin weder das eine noch das andere. Stattdessen gab er sein Königreich auf und schloss sich dem verrückten Weisen an, um mehr über das Wesen von Wahrheit in Erfahrung zu bringen.
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@ Tina:
Hitler hat die Juden nicht deswegen massakrieren lassen, weil er römisch-katholisch war, das stimmt natürlich. Aber es hat in zweifacher Hinsicht geholfen:
1. Die Juden waren bei den Christen sehr schlecht angesehen, weil “sie Christus ermordet haben”, dh Hitler konnte auf einen christlich begründeten Antisemitismus zurückgreifen (bei Katholiken und Protestanten).
2. Man kann seinen Gott verlieren, und die Denkweise behalten, dass eine höhere Autorität festlegt, was gut, und was böse ist. Hitler zB hat ständig von der Vorsehung geredet, deren Werkzeug er angeblich war. Das ist m.E. die Hauptgefahr bei den Religionen, dass sie die Idee salonfähig machen, dass jemand anders die Normen setzt, und die dann nicht hinterfragt werden dürfen, sakrosankt sind. Sobald dann der Gott das Abschlachten befiehlt, oder ein Killer behauptet, für Ihn zu sprechen, hat man als wirklich religiöser Mensch schlechte Karten – weil man keinen eigenen moralischen Masstab hat, nur den von Gott bzw seinen Sprechern definierten. -
Hallo Tina,
hübsche Version des alten Paradoxons “Alle Kreter lügen”.Was mir an Deinem Beitrag so gut gefällt, ist der logische Nachweis, dass es absolute Wahrheiten nicht geben kann.
Das ist für aufgeklärte Menschen nun ziemlich trivial, ABER: warum ist es so schwer, sich von dieser Hoffnung einer “absoluten” Wahrheit zu lösen?
Alle bisherigen menschlichen Gesellschaften hatten so etwas wie religiöse Vorstellungen. Wenn wir nun ziemlich sicher sind, dass dies Chimären sind: Warum glaubt die Mehrheit in ALLEN Gesellschaften an so etwas?
Diese Frage muss diskutiert werden, dahinter steckt ein m.E. ein ganz tiefes Bedürfnis nach Sicherheit/ Vertrauen/ Hoffnung/ Ewigkeit …. .
Und wenn es den Aufklärern nicht gelingt diese Urbedürfnisse zu befriedigen und sie statt dessen immer nur mit den Stereotypen wie “Können wir doch gar nicht wissen” “Vielleicht, könnte sein, sehr unwahrscheinlich, alle Befunde sprechen dagenen, aber.. ”,
die genau dieses Urbedürfnis nach Sicherheit, nach Erklärung, nach Sinn, nach Hoffnung eben NICHT erfülle können, haben sie ganz schlechte Karten.Zur Aufklärung gehört MUT zu Unsicherheit, zu Nichtwissen, zu Hoffnungslosigkeit. Über diese Zumutung müssen wir uns klar sein, und wir müssen den Menschen MUT machen, sich dieser Unsicherheit zu stellen und sie zu ertragen.
Hellmuth -
Hallo Thomas,
“Eine Alternative ohne übernatürlichen Überbau”
Wo suchen und nicht finden? Ich bin leider nicht philosophisch ausgebildet, aber da sollte sich bei den klassischen Aufklärern schon einiges finden lassen. Dazu dann noch die Gedanken der modernen Naturwisschenschaften incl. Soziobiologie und Neurobiologie. Und damit wird auch schon eines klar: das wird nie fertig, die Lehrbücher der Neurobiologie kannst Du spätestens nach zehn Jahren wegschmeißen. Von der Vorstellung einer für alle Zeiten geltenden Moral müssen wir uns verabschieden, es muss eher darum gehen, Regeln für einen Diskurs üdarüber zu entwickeln und diesen immer weiter zu führen. Darüber gut zu lesen bei Karl Popper.Größtes Problem scheint mir die Frage der Wertmaßstäbe zu sein. Die Religionen haben es da einfacher, sie beziehen ihre Werte einfach aus irgendwelchen “Offenbarungen”, also Erkenntnissen von Menschen aus früherer Zeit, die sie dann auf die gegenwärtige anwenden (oder es zumindest versuchen).
In diesem Zusammenhang eine kleine Zwischenbemerkung: Es gibt auch für Religionen so etwas wie einen Ausleseprozess. Wenn die Moral, die Verhaltensweisen , die durch sie gefordert / durchgesetzt werden, das Überleben der diese Religion ausübenden Gesellschaft nicht sicherstellen kann, dann wird diese Gesellschaft untergehen und damit auch diese Religion. Beispiel (und es ist egal, ob die Geschichte wirklich so war, aber schon als Gedanenexperiment lehrreich): der Untergang der Kultur der Osterinseln. Es ist also gar nicht so überraschend, dass alle Religionen der Welt deutliche Übereinstimmungen zeigen, was die praktische Moral innerhalb der Gesellschaft betrifft. Es gibt eben einen Grundbestand an “vernünftigen” menschlichen Verhaltensweisen, die einfach notwendig für ihr Funktionieren sind, und diese müssen eben einerseits mit dem “Menschen” an sich und mit der Umwelt / Natur, in der er lebt, kompatibel sein. Ist das nicht der Fall, dann geht diese Kultur / Religion unter.
Ich glaube, dass das auch letztlich der Grund für das Scheitern des Sowjet-Systems war. Der “neue Mensch” ist eben nicht zu schaffen, der alte Adam nicht totzukriegen. Und der Islam heute steht unter dramatischem Anpassungsdruck (ein Schlüsselbegriff der Evolutuionslehre).Ich würde vorschlagen, zusätzlich den Begriff ”(selbst-)organisierte Komplexität” als einen wichtigen Maßstab für die Wertigkeit von Lebewesen, Ökosystemen, Kulturen u.ä. einzuführen. Weiterhin ist sicher mit einzubeziehen die Zukunftträchtigkeit bestimmter Verhaltensweisen, verpaart mit dem Kantschen kategorischen Imperativ: Tue nichts, was die nachfolgenden Genarationen nicht auch ohne Schaden für sich und die ihnen nachfolgenden Generationen tun könnten.
Hellmuth
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@Tina:
“Ebenso wenig würde jemand behaupten, Stalin habe so gehandelt, weil er Atheist war.”
Genau das machen manche Leute.
Aber trotzdem guter comment, natürlich hast du Recht, ich kann mir nie völlig über existenz oder nichtexistenz Gottes sicher sein, aber ich kann beispielsweise von einer 50:50-Wahrscheinlichkeit ausgehen, das irgendeine Religion recht hat. Dann kann ich die 50% für Gottes Existenz zwischen den verschiedenen Religionen aufteilen und dann bleibt nicht mehr viel übrig.
Allerdings gehe ich aufgrund der vielen Wissenschaftlichen erkenntnisse gegen Gott und den ganzen Logikfehlern in den Religionen nicht von 50% aus, sondern von deutlich weniger.
Aber im Endeffekt bleibe ich Agnostiker mit einer sehr starken Tendenz zum Atheismus, wie Dawkins sagt. -
Von meinem aheistischen Gedichtswerk einen kleinen Beitrag für diese Seite
Zweiter Atheist:
Weder Hexen noch Atheisten
haben je gemeuchelt einen Christen!
Doch es mordeten herzenskalte Christen
viele Hexen und manchen Atheisten!—-
Sucht man in der Welt die Grausamkeit,
findet man sie im Schoß der Christenheit!
Wo kann die Grausamkeit noch wohnen?
Sie wohnt in allen Religionen! -
@Günter:
Sehr schön gesagt

21 Kommentare
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