Lemmy über Kirche

Aus einem Interview in der SZ mit Lemmy Kilmister, dem Sänger von Motörhead:

Kilmister: Die Welt ist böse. Motörhead tritt dir nur in den Arsch. Motörhead ist eine Rock-’n’- Roll-Band. Wir sind nur Hintergrundmusik. Wieso sind wir böse? . . . Wieso ist nicht die Kirche böse?

SZ: Die Kirche? Welche?

Kilmister: Alle. Was für ein Wahnsinn, den Leuten zu erzählen, Maria ist jungfräulich niedergekommen. Armer Josef, oder? Und Jesus? Stirbt am Kreuz und steht wieder auf? Wahnsinn! Wahnsinn!!

SZ: Es ist eher bildlich . . .

Kilmister: Sag einem wiedergeborenen Christen in den USA, dass das bildlich gemeint ist – der rastet aus und überfällt Mexiko! Ich meine, Leute, die Länder regieren, ernstzunehmende Länder, keine Voodoostämme, okay?, diese Leute behaupten tatsächlich, dass all’ diese sagenhaften Märchen aus der Bibel stimmen! Sie berufen sich darauf, wenn sie politische Entscheidungen treffen, gegen Kondome, gegen Aids-Aufklärung, Reagan sah Aids als gerechte Strafe. Das ist schlimm, mein Lieber! Die Leute schwören auf die Bibel. Das ist, als ob du mit einem Piloten fliegst, der Gespenster sieht!

SZ: Johann Sebastian Bach wäre ohne die Kirche gar nicht vorstellbar.

Kilmister: Absoluter Unsinn.

SZ: Aber doch!

Kilmister: Unsinn. Bach wäre ohne Transzendenz nicht vorstellbar. Die Kirche hat ihn benutzt. Und er hat sich benutzen lassen. So war’n die Zeiten. Die Leute mussten ja von was leben. Cheers!

SZ: Jedem seinen Glauben, oder?

Kilmister: Ich hab’ keine Bibel in der Hand. Bush hat eine, Blair hatte eine, Saddam wedelte mit dem Koran rum, die Schlächter in Srebrenica konnten auch auf die Liebe ihrer Kirche zählen, als sie die Leute da reihenweise massakrierten . . .

SZ: Die Kirchen sind nicht aus Prinzip böse.

Kilmister: Die Leute haben eine Scheißangst vor dem Tod. Es könnte sich der Verdacht ergeben, dass die ganze Plackerei sinnlos ist, oder? Da wir ja eh alle zur Hölle fahren. Die Kirchen ködern diese Leute mit Märchen und machen sie verrückt, Mann! Wenn du schön brav bist, bist du nicht tot, sondern nur in Gottes Armen. So – wer ist nun wahnsinnig? Ich oder die Weihrauchschwenker?

Der Mann hat recht. Vielleicht sollte ich doch einmal Motörhead hören, die ich immer nur vom Hörensagen kannte. :)

(via Twitter von Spreeblick)

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  1. “Sag einem wiedergeborenen Christen in den USA, dass das bildlich gemeint ist – der rastet aus und überfällt Mexiko!”
    Ich schmeiß mich weg!

    Der Hinweis, dass es ohne Kirche keinen Bach gäbe ist nur bedingt richtig. Die Kirche war zu der Zeit die einzige Institution, die über die finanziellen Mittel besaß, solche Projekte zu realieren. So einfach ist das.

  2. Ach was, es gab zu jeder Zeit Mäzenen, die nicht kirchlich motiviert waren. Bach hätte dann halt nix geschrieben, was den Herren preist. Und das wäre wohl auch nicht so schlimm gewesen…

  3. Trackback von SoWhy Not? am 8. Sep 2008 um 17:33

  4. Eben. Bach hat Auftragsarbeiten erledigt. Und sein “Lieblingsauftraggeber” war eben die Kirche. Mozart gabs ja auch, nur dass er sich als Auftraggeber eben den Adel “ausgesucht” hat…

  5. Ja, das ist ein echter Lemmy. Sein leiblicher Vater war übrigens Kaplan bei der Royal Air Force – und hat seine Mutter nach der Geburt sitzen gelassen.
    Wenn man reinhören will, kann ich übrigens die Motorhead-Scheiben “1916” mit der Nummer “No Voices In The Sky” und “Orgasmatron” (vor allem den Titeltrack) empfehlen. Haut genau in dieselbe Kerbe wie das Interview, was Religion angeht.

  6. naja aber war nicht auch der adel mehr oder weniger ein teil der kirche?