Religulous

Wikipedia weiß:

Religulous (gebildet aus engl. religion – Religion und ridiculous – lächerlich) ist ein US-amerikanischer satirischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2008. Das Drehbuch entstammt dem politischen Komödianten Bill Maher, der zugleich im Mittelpunkt des Films steht.

Den habe ich mir neulich angesehen. Es ist gute Unterhaltung und man schlägt an einigen Stellen unweigerlich die Hände über dem Kopf darüber zusammen, was die Leute da von sich geben. Ein wirkliches Muss ist der Film aber nicht, finde ich. Bis auf das Schlussplädoyer ist sein Ziel nicht, Missstände anzuprangern, sondern Lacher zu erzielen – der Regisseur ist schließlich auch der Macher von Borat.

Natürlich ist die vermeintliche Dummheit anderer Menschen die Essenz allen Humors, aber ich reagiere ein wenig allergisch, wenn sich andere Ungläubige herablassend über religiöse Menschen äußern. Wohlgemerkt meine ich die Menschen; die hanebüchenen Teile der diversen Lehren, soll man angreifen und lächerlich machen soviel man will.

Es ist einfach kein Grund zur Überheblichkeit, dass wir Gottlosen bei diesem Thema die alten Aberglauben durchschaut haben und es jetzt besser wissen. Man kann sich stattdessen an an all die Gelegenheiten erinnern, zu denen man selbst irgendeinem Unsinn aufgesessen war. Wir sitzen alle im selben Boot.

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  1. Ja, das ist richtig. Bescheidenheit und Respektieren des andersdenkenden Mitmenschen sind humanistische Tugenden, Vor allem humanistische Tugenden, wenn man mal etwas um sich oder zurückschaut und die Auftritte der Repräsentanten des Humanismus und der religiösen Führer vergleicht, welche ja vorgeben, das Monopol der Moral zu besitzen.
    Ich habe Dein Blog bei mir verlinkt, hoffe, dass Du ab und hier schreibst, und werde auch mal dies oder das von Dir in einem meiner Beiträge mitbenutzen.
    Gutes Vorankommen!

  2. Kann man den Film im Netz irgendwo kostenlos ansehen? Hat jemand einen Link?

  3. du kommst Religionen aber nur dadurch bei, dass du ihren Gläubigen unabweisbar klar machst, dass sie sich persönlich lächerlich machen und mitnichten hinter der wahren Lehre in Deckung gehen können. Solange du NUR rational argumentierst, trägt du den Konflikt in deren Homeland aus, denn rationales Argumentieren hängt von seinen Prämissen ab, und wenn wir es zulassen, dass deren Prämissen in der Diskussion denselben Stellenwert einnehmen wie unsere Prämissen, haben wir schon verloren bzw. in ein ewiges Remis eingewilligt. Das ist meines Erachtens ein wesentliches Element der Auseinandersetzung, es geht nicht um die Blüte (die Lehrgebäude) sondern um die Wurzeln (die Prämissen).

    Davon abgesehen war es nicht der Regisseur, der diese Gläubigen lächerlich gemacht hat, sondern die Gläubigen haben sich selbst lächerlich gemacht in ihrer emotionalen Distanzlosigkeit zu ihren eigenen Überzeugungen.

  4. Ich denke es zieht bei religiösen Menschen sehr gut, wenn sie dumme Zitate von Fanatikern hören, die ihnen selber über die Lippen gekommen sind oder kommen könnten. Wer will sich schon mit einem Menschen in einen Topf geworfen werden, der sich durch seine Worte völlig lächerlich macht?

    Zumindest schafft es Abstand zu Extremisten und das ist ja schon mal ein guter Anfang…

  5. hallo ungläubige,
    es ist für mich trauig zu merken, das die liga der ungläubigen so fatal mit ihrer idiologie umgeht.
    wenn sich jemand den film richtig angesehen hat, der weiss wieviel prozent wir überhaupt ausmachen(allein in der u.s.a)
    und dann kleinlaut so zu tun als würden wir den rest der bevölkerung in den glauben lassen, das diese an ein hirngespinnst glauben, tut mir richtig weh.
    mit welchen methoden manche glaubenskrieger, manche christen und manche kinder in einem aberglauben gefangen werden spricht doch für sich!
    vor dem dürfen wir doch nicht die augen verschliessen!!
    leute!!macht was dagegen, oder wollt ihr das noch in 100 jahren 3/4 der weltbevölkerung an märchen glauben?
    tut nicht so kleinlaut, indem ihr sagt, wir wissen die wahrheit..egal ob nun der rest der menschheit an die fantasiegeschichten glaubt oder nicht!
    wir mögen zwar an keinen gott glauben, aber doch an den menschlichen verstand oder?
    wollt ihr weiterhin die welt mit ihrem aberglauben regieren lassen, ohne sinn und verstand(mit einer stimme im kopf) bis es irgendwann mal zu einem supergau kommt?
    habt ihr durch diesen film nicht mitbekommen(falls ihr es noch nicht wisst)das allein die glaubensreligion dafür verantwortlich war, das so viele kriege geführt worden sind?
    in meinen augen gab es und gibt es bis jetzt nur eine weltreligion die diese misstände nie verursacht hat und zwar der buddhismus!
    allein der ATEISTISCHE EINSTEIN hat mal gesagt, wenn es für ihn eine religion geben würde, dann des Buddhismus!
    ich will diese religion auf keinen fall schön reden, aber einfach nur zu ausdruck bringen, das komischer weise nur die religionen mit einem oder mehreren göttern mehr oder weniger die weltgeschichte beeinflussen.

    vielen dank radek

  6. Radek, ich denke, du verwechselst da etwas. Du bist damit in guter Gesellschaft, auch Dawkins verwechselt das, aber es ist nichtsdestotrotz eine Verwechslung. Krieg kommt nicht von Religion. Krieg kommt von Gier und von Aggressivität. Religion ist nur ein besonders einfacher Vorwand, der die eigene Gier hinter dem Deckmäntelchen verbirgt. Vernichte das Deckmäntelchen, und du wirst erleben, dass menschliche Gier sich 1000 andere Vorwände ersinnen wird. Die Gründe gehen zu allerletzt aus, solange nur die Macht da ist, das Gewollte zu tun. Solange die Menschheit sich in ihrem Sosein nicht selbst radikal suspekt wird steht zu befürchten, dass keine wie auch immer geartete Maßnahme irgendetwas am Kommen und Gehen der selbstverursachten Katastrophen ändern wird.

    Was deine Hochachtung vor dem Buddhismus angeht – die ich durchaus teile – sei dir die Lektüre der Geschichte der kleineren ostasiatischen Königreiche zwischen ~-600 und ~+1000 ans Herz gelegt. Es war vielleicht nicht der Buddhismus, aber ganz sicher waren es buddhistische Herrscher^^ Es gibt nichts, was nicht missbraucht werden kann.

  7. Impsissimus: Selbst, wenn ich mal eine Minute lang mit Deiner Theorie einverstanden wäre: Die Gier der Herrschenden hat noch nie eine Armee in den Krieg getrieben. Dafür brauchte es andere (von mir aus auch vorgeschobene) Gründe. Und dies war oft die Religion oder auch eine Ideologie, an die die Leute geglaubt haben. Und nicht zu vergessen: die blutigsten Kriege waren immer die, in denen die Leute aufgestachelt wurden, “Ungläubige” oder “Untermenschen” zu vernichten. Dabei wurden ganze Städte nach der Eroberung ausradiert, ganze Völker vernichtet. Bei Kriegen aus Gier (wie Du es nennst), passiert so was nicht. Denn wenn sich der Herrscher den Reichtum sichern will, dann braucht er die eroberten Städte und Menschen, die durch ihre (Sklaven-)Arbeit den Reichtum erst ausmachen. Bei Gier als Motiv wird also vielleicht ein Krieg geführt, aber das eroberte Gut und die unterworfenen Menschen sind der eroberte “Schatz”, der dann ausgebeutet werden muss und deshalb im Krieg nicht völlig zerstört werden darf. Bei Glaube, Ideologie oder Religion als Motiv für einen Krieg spielt dieser Gedanke keine Rolle, sondern dabei geht es um das Vernichten des Gegners, sprich um Völkermord.

    Niemand bestreitet, dass es auch Kriege aus nichtreligiösen Gründen gegeben hat. Aber in einer Welt ohne Religion und Glaube wären viele Kriege nie passiert und zwar wären den Menschen ausgerechnet die blutigsten Kriege erspart geblieben!

    Nur einige Beispiele: Während der Kreuzzüge wäre es nie gelungen, die Massen zu mobilisieren, wenn nicht der religiöse Gedanke sie getrieben hätte. Der 30-jährige Krieg (immerhin der blutigste Krieg der Geschichte vor dem 1. Weltkrieg) wäre ohne den Streit zwischen Katholiken und Protestanten nie ausgebrochen. Die ungezählten Kriege im Mittelalter, in denen der “wahre Glaube mit dem Schwert zu den Heiden” gebracht wurde, wären samt und sonders nicht geschehen (und schon gar nicht so blutig!). Die kriegerische Ausbreitung des Islam im Mittelalter wäre nicht passiert (auch nicht die Kriege, die in Spanien geführt wurden, um den Islam zu stoppen).

    Eine blutige Christenverfolgung im alten Rom hätte ohne Religionen nicht stattgefunden. Eine Inquisition im Mittelalter (inklusive Hexenverbrennungen) hätte es nie gegeben. Selbstmordattentäter, die sich und andere töten, würde es ohne Religonen und den Glaben an sie kaum geben.

    Der ganze Nah-Ost-Konflikt wäre ohne Religion nie entstanden.

    Den Holocaust hätte es ohne Religion nie gegeben, denn ohne Religion gäbe es keine Einteilung in Juden und andere. Die Juden sind schließlich keine Rasse, sondern eine Religionsgemeinschaft.

    Die Liste der Leiden, die die Religionen über die Menschheit gebracht haben, ist so lang, dass ein ganzes Buch dafür nicht reicht.

  8. Tom: Religion, wenn wir sie versuchsweise aus ihrem religiösen Kontext herausnehmen^^ ist ein Werkzeug zum Machterwerb, mehr aber noch zum Machterhalt. Meiner Ansicht nach waren sich dessen alle Herrschenden aller Zeiten bewusst; und wenn wir den Begriff nicht ganz so eng fassen stimmt das auch noch für die anscheinend nichtreligiösen Herrscher des 20ten Jahrhunderts, die trotz ihrer anscheinenden Verneinung von Religion nicht umhin kamen, religionsartige Personenkulte mitsamt entsprechenden Ideologien zu generieren.

    Religion ist ja nichts aus sich selbst heraus. Religion gäbe es nicht, wenn Menschen sie nicht machen würden. Bei allem Respekt gegenüber Dawkins, ich glaube, er sieht das zu harmlos, wenn er den Siegeszug der Religion aus einer Fehlanwendung eines evolutionär wünschenswerten Verhaltens (automatischer Gehorsam von Kindern gegenüber Erwachsenen in Krisensituationen) ableitet. Das mag oder mag nicht eine Tendenz in uns schaffen. Aber diese Tendenz bliebe folgenlos, wenn sie nicht benutzt würde. Und diese Benutzung, also die Instrumentalisierung der Tendenz, das ist das eigentliche Problem. Hinter Religion steckt der Wille zur Macht, dem leider eine einfache psychische Disposition in die Hände spielt. Aber wäre es nicht diese Disposition, wäre es eine andere.

    Natürlich ist es notwendig und auf Dauer unvermeidbar, wirklich gefährliche Werkzeuge aus dem Spiel zu nehmen. Aber Religion macht sich genau so wenig selbst, wie sich eine Atombombe selbst baut. Wir sind das Problem.

  9. Ich finde es in Ordnung, dass auch einzelne Leute im Film der Lächerlichkeit preisgegeben wurden. Deren Ideen sind sehr gefährlich und Religion zu kritisieren ist durch die sogenannte Political Correctness in Mainstream-Medien faktisch verunmöglicht. Und wenn man sieht, welch ein Unsinn durch diese Münder gebrabelt werden, ist es einfach viel wirkungsvoller als wenn man nur abstrakt ihre Thesen abhandelt. Und Wirkung zu erzielen ist absolut notwendig, wie folgende Predigt beweist:
    http://www.youtube.com/user/timturpis#p/u/5/4Y0gRgWyH00

  10. Köstlich. Das der “Padre” dabei ernst bleiben kann, ist erstaunlich :-)
    Gutes Video zum Einstimmen auf das heutige Sonnenwendfest.

  11. “Wir sitzen alle im selben Boot” – nee, dass nu schon gar nicht.
    Klar ist, dass alle Menschen Überzeugungen (meintewegen: Glaubensinhalte) haben, die sie nicht verifiziert haben bzw. die vielleicht auch nicht verifizierbar sind.
    Die Gläubigen, die sich gelegentlich hierhin verlaufen (für mich ein erfreulicher Hinweis darauf, dass sie sich veranlasst sehen, ihre eigenen Zweifel zu bekämpfen), vertrauen (häufig freiwillig) auf die Steuerung ihres Bootes durch Fremde (teils selbst fremdgesteuerte) mit unehrenhaften Motiven, ohne deren navigatorische Kompetenz zu hinterfragen.
    Ich dagegen – und hoffentlich die anderen Kampfgenoss/inn/en hier auch – versuchen ein selbstbestimmtes, auf eigener Erkenntnis beruhendes Leben zu führen – ihr Boot also selbst zu steuern und es – bei eigener Zielsetzung – allenfalls Lotsen zu überlassen, die rational nachprüfbare Kompetenzen haben.

  12. Dass man sich unterschiedliche Arten der Steuerung des Bootes wünscht widerspricht doch nicht dem, dass wir alle im selben sitzen. :)

    Damit war die Metapher aber auch genug strapaziert und es ging im Zusammenhang oben ja darum, dass keiner davor gefeit ist, Unfug aufzusitzen.