Kirchgänger finden Folter eher gerechtfertigt

Das ist doch einmal eine interessante Statistik.

Unter häufigen Kirchgängern in den USA finden 54%, dass Folter bei des Terrorismus Verdächtigen “oft” bzw. “manchmal” gerechtfertigt ist. 44% finden “selten” oder “nie”. Unter Kirchenabstinenzlern ist die “Mehrheit” andersherum: 42% kreuzten “oft” oder “manchmal” an, 53% “selten” oder “nie”. Einzelheiten hinter obigen Link.

Natürlich ist eine Korrelation nicht notwendigerweise ein Kausalzusammenhang, aber dann wüsste ich gerne, welcher unbekannte Faktor dafür sorgt, dass Kirchgänger Folter eher in Ordnung finden. Oder hat es doch damit zu tun, dass einem in der Kirche ein Folterinstrument als positives Symbol verkauft wird?

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  1. Tja, der Glaube setzt eben den Glauben an erste Stelle und nicht Menschenrechte und Humanität. Wenn dann der zu folternde Terrorist auch noch ein Anders- oder Ungläubiger ist, dann kommen eben logischerweise solche Ergebnisse dabei heraus…

  2. 12% Unterschied sind keine Begründung, oder?

  3. Begründung wofür?

    Ein signifikanter Unterschied ist es.

  4. Worauf basiert denn der christliche Glaube? Werden nicht schon kleine Kinder in den christlichen Kirchen damit geimpft, dass eine Folter mit Todesfolge erst die Erlösung und Vergebung der Sünden der Menschen zur Folge hatte? Das Kreuz, das Symbol eines antiken Folterinstruments, dient vielen Christen als das Zeichen ihres Glaubens und ihrer Beziehung zu Gott.

    Ich war erst gestern wieder bei einer kirchlichen Hochzeit zu Gast. Über dem Brautpaar und der entzückten Hochzeitsgesellschaft wachte die Darstellung des guten Jesus am Kreuz, schon leicht weggetreten mit dem Kopf zur Seite hängend und aus den Wunden von Dornenkrone, Nägeln und Lanze blutend, kunstvoll mit roter Farbe arrangiert. Eine sehr bewegende Szene :-)

    Wer glaubt, dass so etwas
    http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-407-11.html
    von einem göttlichen Wesen benötigt wird, um Gutes zu vollbringen, der muss doch eine “spezielle” Beziehung zu Folter haben.

  5. Hallo,
    ich bin neu auf diese Seite gestoßen und lese mich gerade hoch interessiert durch die Kommentare…

    So unbekannt sind die Faktoren nicht, die bei den Unterschieden eine Rolle spielen können. So ist in der “Folter-Statistik” ein größerer Unterschied zwischen Republikanern und Demokraten (64 vs. 36%, die meinen, dass Folter oft oder manchmal gerechtfertigt ist) zu verzeichnen, als zwischen Kirchgängern und nicht-Kirchgängern. Ich denke, dass es nicht nur in den USA einen Zusammenhang gibt zwischen eher konservativer Ideologie, wenig weltoffenem Gedankengut im sozialem Umfeld und der Tendenz, einer Kirchengemeinde anzugehören und deren Praktiken unreflektiert zu folgen.
    Was mich auf jeden Fall erschreckt ist die Tatsache, dass gerade mal ein Viertel aller befragter Personen sich grundsätzlich gegen Folter von Terrorverdächtigen ausspricht!

    Und dann stellt sich noch die interessante, aber schwer zu recherchierende Frage, wer von den Kirchgängern wirklich “gläubig” ist, und wer eher zu Kirche geht, um sich möglichst angepasst in sein Umfeld einzufügen.

  6. Hast du jetzt ein Problem mit Glauben oder der Kirche? Ich sehe da deutliche Unterschiede. Ich glaube auch, dass Amerikaner da noch besondere Spezialisten sind und dass es auf die Gruppierung ankommt.
    Heute stand in der TAZ, dass muslimische Jugendliche umso religiöser desto ghewaltbereiter seien und christliche Jugendliche umso religiöser desto gewaltablehnender. (http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/beten-hilft-nicht/) Nun kann man sich fragen, wieviel solche Studien wirklich aussagen. Darf man so pauschalisieren? Und ich hätte gern gewusst, wie es da um die atheistische Gewaltbereitschaft steht und warum die nicht gemessen wurde. Schließlich vertritt ein nicht unerheblicher Teil der Deutschen den Atheismus, zumal gerade der Jugend, würde ich schätzen.

  7. Atheistische Gewaltbereitschaft? Was ist das denn?
    Wenn solche Begriffe gebildet werden, sollte auch eine Erklärung dazu geschrieben werden.
    Moslems begründen zB Terror mit dem Willen Allahs, Ungläubige zu bekehren oder zu töten (das ist dann muslimische Gewaltbereitschaft).
    Christen (vor allem in den USA) begründen zB Morde an Abtreibungsärzten mit dem Willen Gottes, ungeborenes Leben zu schützen (das ist dann christliche Gewaltbereitschaft).
    Aber wo ist denn mal ein Beispiel, dass ein Mensch Gewalt angewendet und als Grund angegeben hat, dass der Atheismus dies gebietet?

  8. Tom, es ist einfach eine zu große Zumutung an das religiöse Selbstbewusstsein, sich einzugestehen, dass alle diese religiösen Perspektiven für A-Religiöse der Sache – nicht der Lästigkeit – nach einfach nur belanglos und langweilig sind. Mit Feindbildern kämpft es sich besser, mit Feindbildern hat die eigene Hybris eine stärkere Grundlage und kann man sich viel einfacher als Märtyrer fühlen, und also muss es dann auch eine atheistische Gewaltbereitschaft geben. Diese Leute sind nie in der Moderne angekommen.