Gottesfürchtiges Deutschland

Ich finde es ja ziemlich peinlich, dass die aus England abgekupferte atheistische Buskampagne in Deutschland nur Absagen bekommen hat.

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  1. Wie werden wohl solche Beschwerden aussehen? Und was wäre mit religiolöser Werbung? Gäbe es da etwa keine Beschwerden?

  2. Du hast den verlinken Artikel nicht gelesen, oder? Religiöse Werbung ist in der Tat nicht selten und wer sich dagegen beschweren würde, würde wohl schnell mit dem Argument “Religionsfreiheit” niedergemacht.

  3. Religion ist in unserem Grundgesetzt verankert, daher haben die religiösen Vereinigungen ein Recht darauf, Werbung für sich zu machen, so zum Beispiel auch durch ein ordentliches Lehrfach an staatlichen Schulen. Genauso können auch Atheisten Werbung für ihre Weltanschauung machen. Artikel 4 des Grundgesetzes schließt ja sowohl Glaubens- als auch Gewissens- und Bekenntnisfreiheit ein.
    Offensichtlich scheint in Deutschland aber die Meinung vorzuherrschen, wenn du nicht an Gott glaubst, bist du ein schlechter Mensch. Und welche Stadtverwaltung will sich schon so ein schlechtes Image aufdrücken lassen? Irgendwie traurig. Vor allem, dass diese vorherrschende Meinung besonders leicht auf Kinder übertragen wird, die sich noch keine unabhängige eigene Meinung bilden können.

  4. ich ersehe an dieser Sache vor allem, dass sich englische Verhältnisse nicht einfach so auf deutsche Verhältnisse übertragen lassen. Was in England eine witzig-spritzige Verhohnepipelung religiöser Bigoterie ist, käme in Deutschland als selbst bigotte, weil todernst gemeinte Manifestation schlechten Geschmackes herüber. Monty Python sind englisch; Humor in Form leichten Florettes ist Deutschen eher nicht eigen, und schon gar nicht bei derart tiefgründigen^^ Sachverhalten. Da das nicht nur für die Antragsteller derartiger Kampagnen gilt, sondern natürlich und vermehrt auch für deren Ablehner, hätte man sich derartige Anfragen auch ersparen können. Wenn die Aktion wirklich ernst gemeint gewesen wäre, hätte man besser einfach gleich eine Bande von Graffiti-Künstlern engagiert, die das ganze Thema dann mal an unbeweglichem Eigentum dargelegt hätte :-)

  5. ich stimme Ipsissimus zu. Viele wirklich gute Konzepte funktionieren nur in einem bestimmten Kulturkreis, eine Übertragung in einen anderen benötigt eine spezifische Kenntnis von der Auffassung der Menschen zu dem Thema. Engländer sind zur Religion einfach offener eingestellt, als die Deutschen. Vor allem aber sind wir amerikanisch geprägt. Habt ihr jemals Atheisten in amerikanischen Filmproduktionen gesehen? Das sind Menschen, die eine offene Rechnung mit Gott haben, die ihn aus irgendeinem Grund hassen oder einfach nur abgrundtief böse sind. Unterbewusst haben die Deutschen dieses Bild auch inne. Ich denke, das ist mit ein Grund, warum wir als Atheisten so schlecht angesehen sind.

  6. Naja, also irgendwie ist es trotzdem traurig, dass in Deutschland religiöse Organisationen (zB Kirchen) mit ihrer Weltanschauung werben dürfen, atheistische aber nicht. Die Frage ist doch, warum ist das so? Das wäre sicher ein interessantes Thema für eine Soziologie-Doktorarbeit.

    Ob Deutsche zB amerikanischer geprägt sind, als Engländer, wage ich stark zu bezweifeln. Bei uns ist es eben Tradition (und das hat nichts mit Amerika zu tun), dass Religionen bierernst genommen werden. Noch vor 200 Jahren mussten die Untertanen den Glauben ihres Herrschers annehmen, auf Verweigerung standen schwere Strafen. So etwas hinterläßt in der Mentatlität der Einwohner eines Landes Spuren. Der Parafraph der Gotteslästerung ist ein Überbleibsel aus diesen Zeiten. Da bekommen die Deutschen automatisch ein ungutes Gefühl bei religionskritischen Aussagen.

    Trotzdem behält diese flächendeckende Ablehnung für mich einen sehr faden Beigeschmack, wenn gleichzeitig für Religionen geworben werden darf. Oder wenn an Wochenenden Gottesdienste im Fernsehen übertragen werden, aber Atheisten eine solche Plattform versagt wird. Da fühle ich mich schon regelrecht diskriminiert als Atheist…