Ich habe mir gerade mal die Zeit genommen, ein paar ausufernden Diskussionen, die sich von den jeweiligen Beiträgen weit entfernt hatten, eine eigene Seite zu spendieren.
Ich war gestern Zuschauer einer Debatte zwischen dem “schwedischen Richard Dawkins” und dem Gründer einer Freikirche. Mehr dazu drüben in meinem Schwedenblog.
In den Kommentaren, die immer wieder auf ältere Artikel und die About-Seite dieses Blogs einschlagen (und die ich, nebenbei bemerkt, aufmerksam verfolge, auch wenn ich mich nicht immer einmische), taucht hin und wieder die Frage auf, wie viele Atheisten es eigentlich gibt. Das ist nicht einfach zu beantworten. Je nach Land und Art der Fragestellung zeigen Studien andere Ergebnisse. Zusätzlich muss man glauben, dass Menschen ehrlich auf solche Befragungen antworten.
Nichtsdestotrotz. In der Wikipedia steht:
Nimmt man die religiöse Selbsteinschätzung der Bürger in Umfragen als Maßstab, so liegt in den Ländern der Europäischen Union der Anteil „überzeugter Atheisten“ bei ca. 5 %. Besonders hoch ist die Rate überzeugter Atheisten in Frankreich (14,6 %), und den neuen Bundesländern Deutschlands (21,7 %).
Die englische Wikipedia ist da übrigens viel ausführlicher. Von dort wurde ich auch auf die Studie “Social values, Science and Technology” der Europäischen Kommission von 2005 aufmerksam (PDF), die unter anderem folgenden Graph enthält:

Demnach liegt Deutschland im europäischen Mittelfeld und etwa die Hälfte der Menschen glaubt an einen Gott; in meiner Wahlheimat Schweden ist es nur ein Viertel. Fasst man den Begriff “Atheist” so weit, dass er alle einschließt, die nicht explizit sagen, dass sie an einen Gott glauben, dann ist diese Gruppe genauso groß wie die der Gläubigen, in vielen Ländern sind Atheisten in der Mehrheit.
... und ich weiss nicht recht, was ich davon halten soll.
Ich finde es schön, dass meine alte Heimatstadt Aschaffenburg häufig im Zusammenhang mit Religionskritik auftaucht. Zuletzt war da das eifrig berichtete und viel diskutierte Kinderbuch “Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel”
Einen kleinen Blick hinein werfen kann man in der Bildergalerie der SZ, deren Bildunterschriften auch gleichzeitig zeigen, wie schnell der Versuch, Kinder religiösen Autoritäten gegenüber skeptisch zu stimmen, als Hetze verunglimpft wird.
Mehr Info und eine Unterschriftenliste gegen die beantragte Indizierung des Buches gibt es auf ferkelbuch.de. Das Buch findet man natürlich in Buchhandlungen, man kann es aber auch direkt beim Verlag bestellen, ebenso bei den üblichen Internetversendern wie Amazon, wo es sogar auf Platz 5 der Bestsellerliste steht. Der Medienrummel scheint sich auszuzahlen.
Nachtrag 6. März 2008: Der Indizierungsantrag wurde abgeleht. Sehr schön.
Habe gerade sehr gelacht. Hierüber.
Vor ein paar Wochen bekam ich interessante Post. Einen Brief von einem “Dr. Dipl. Ing.” aus Wien (laut Absender nicht das in Österreich, sondern das in Europa), handschriftlich an mich hier in Schweden adressiert. Darin befand sich ein kleines, schlecht kopiertes Heftchen, in dem mit Textmarker einige Stellen markiert waren und auf freie Flächen in Rot Aufforderungen wie “Lies die Bibel!” gestempelt waren. Der Titel
Eines Physikers Suche nach Sinn und Ziel des Lebens und seine Begegnung mit JESUS CHRISTUS!
sagt eigentlich schon alles. Es handelt sich um eine lieblose Zusammenstellung von ein paar Zahlen über Sterne, die Milchstraße und das Universum, die den Leser sich klein fühlen lassen sollen im Vergleich zur “göttlichen Schöpfung”. Dann der plötzliche Wechsel zur persönlichen Erfahrung und der “Weg zu Gott” des Autors (übrigens nicht identisch mit dem Absender des Briefes).
Eingestreut sind ein paar astronomische Bilder, die in der Kopie der Kopie kaum erkennbar sind und deren Bildtext nach der nüchternen Beschreibung im Stile von “Das ist Galaxie X, so und so weit von uns entfernt, so und so groß” natürlich jeweils mit “Wie herrlich ist die Schöpfung Gottes” abschließt. Ist es so schwer zu verstehen, dass man das alles genauso toll und faszinierend finden kann, ohne einen Gott dahinter zu vermuten?
Und ist es nicht erstaunlich, dass Leute freiwillig und so offen zugeben, dass sie allen Ernstes an Märchen und Geister glauben? Die einzige Abmilderung der Verrücktheit ist, dass es genug andere gibt, die an dasselbe glauben und sie deshalb nicht für wahnsinnig erklären. Lässt sich das ganze Missionieren als Versuch verstehen, für immer genügend andere Irre zu sorgen, um sich nicht so alleine zu fühlen?
Trotzdem ist es verwunderlich, dass sich ein Fremder die Mühe macht, mir so einen Unsinn persönlich zu schicken. Die Frage, wie der wiener “Dr. Dipl. Ing.” – der Titel tauchte übrigens so oft auf, dass ich ihn als lautes, doch vergebliches “Seht her, ich habe tolle Titel, nimm mich ernst” verstand – gerade auf mich kam, blieb mir unbeantwortet, aber dieses Blog ist wohl kein schlechter Tipp.
Es lag sogar noch ein kleiner handgeschriebener Brief bei, den ich niemandem vorenthalten möchte:
Liebe Grüße aus Wien! Anbei sende ich Ihnen eine unserer geistlichen Publikationen. Beim Lesen und Studieren wünsche ich Ihnen einen Augen und Herz öffnenden Segen von Jahweh, dem Gott der Bibel! Für weitere kostenlose urchristlich-leibliche Literatur, die ideal ist für jeden Sucher der Wahrheit von Gott her, stehe ich gern zur Verfügung. In der Liebe des Messias Jesus, Ihr ….
Ich weiß bei soetwas nie, ob ich lachen oder weinen soll. Wohl eher letzteres, denn es ist unglaublich traurig, dass Aufklärung und rationales Denken im 21. Jahrhundert immer noch nicht Allgemeingut sind.
Die Atheist Alliance hatte Ende September eine Konferenz, auf der sich die in den letzten Jahren herausragenden atheistischen Aktivisten und Buchautoren der englischsprachigen Welt ein Stelldichein gaben.
Unter anderem gaben Richard Dawkins und Sam Harris Vorträge und letzterer legt dar, warum wir uns besser nicht “Atheisten” nennen sollten.
Zu den Videos mit beiden länglichen, aber sehenswerten Vorträgen »


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