Ich habe angefangen, unter der Rubrik “Notizen aus Schweden” für den Humanistischen Pressedienst über religions- und humanismusverwandte Themen zu schreiben. Die erste “Ausgabe” gibt es dort oder mit Kommentaren in meinem Schwedenblog.
Artikel mit dem Schlagwort Aufklärung.
Der humanistische Pressedienst hat aufgemacht und auf den ersten Blick gefallen mir die Inhalte. Den (seltsamerweise nicht verlinkten) RSS-Feed habe ich abonniert.
Eine Anmerkung zur Benutzung: Die Seite basiert offensichtlich auf Drupal, genau wie mein Ur-Blog. Deswegen kann ich verraten, dass es auch zu jeder der Kategorien (die im linken Menu) einen eigenen Feed gibt – praktisch falls man nur eine Teilmenge der Meldungen mitbekommen möchte.
- http://hpd-online.de/taxonomy/term/1/0/feed ist also für Politik und wenn man die 1 gegen höhere Ziffern austauscht erreicht man die anderen, wenn auch nicht in derselben Reihenfolge wie im Menu.
- Man kann auch mehrere kombinieren: http://hpd-online.de/taxonomy/term/2+3/0/feed hat zum Beispiel alles, was entweder in Bundesländer oder Kultur abegelegt ist, usw.
Eine kurze aber starke Szene aus der 70er Jahre Fernsehserie The Ascent of Man. Bronowski führt Auschwitz als Beispiel dafür an, was Menschen im Streben nach absolutem Wissen und mit dogmatischem Denken anrichten. Es ist nicht die Wissenschaft, die den Menschen entmenschlicht und zur Nummer macht. Im Gegenteil erlaubt nur die Abschaffung absoluter Wahrheiten ein dauerhaft vernünftiges Zusammenleben.
Im Zusammenhang mit der Opernabsetzung in Berlin aufgrund eventueller Bedrohung durch radikale Muslime erinnert die ZEIT mit dem aktuellen Leitartikel daran, wie oft in Deutschland schon Aufführungen polizeilich geschützt werden mußten – vor einheimischen Christen. Die unterschiedlichen Maßstäbe, die Politiker bei ihren Äußerungen anlegen, werden sehr schön dargelegt und das eigentliche Problem auf den Punkt gebracht:
Die Kunst ist so frei, kein Zwang zu sein. Niemand muss sich anschauen, wie Mohammed, Jesus und Buddha geköpft werden. Man muss nur damit leben (können), dass es gezeigt wird und dass es sich jemand ansieht, mit Gewinn oder um sich erst recht darüber aufzuregen.
Denn das ist die Errungenschaft, die verteidigt werden muss: dass wir im Rahmen unserer Grundrechte und Gesetze bereit sind, auch das zu ertragen, was wir persönlich unerträglich finden. Die vertrackte Dialektik der (Kunst-)Freiheit verlangt sogar noch mehr: Das Grundrecht verpflichtet uns dazu, mitunter das Unerträgliche nicht nur zu erdulden, sondern zu schützen.
Lesenswert!
The God Delusion, das neue Buch von Richard Dawkins, ist erschienen und erregt erfreulicherweise viel Aufmerksamkeit. Es nimmt die Spitze der Bestsellerliste des britischen Amazon ein und steht auf Platz 5 im amerikanischen. Die deutsche Übersetzung wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen und der Titel wird wohl in etwa Wahnvorstellung Gott lauten.
Eine kleine Kritik (englisch) gibt es bei Daylight Atheism.
Die SZ beschreibt in einem lesenswerten Artikel das Wiedererstarken von religiösem Dogma und den aktiv und erfolgreich geführten Kampf gegen Wissenschaft (Evolution) und aufgeklärtes Denken. Wirklich Neues erfährt man zwar nicht und in einigen Details könnte man widersprechen, dennoch ist es bei aller Kürze genug, sich erneut aufzuregen und an der Situation zu verzweifeln.
Religion ist ein Beweis für die Schwäche des Menschen, kein Argument für die Existenz Gottes. Und dass die Renaissance des Glaubens die Welt zu einem schöneren Ort gemacht hat, wird ihm Ernst niemand behaupten.
Zum Thema Intelligentes Design, dem leider nicht für alle lachhaften Versuch, göttliche Schöpfung mit Evolution zu vermischen, hat Spreeblick etwas Musik ausgegraben und verlinkt auch ein Interview mit einem Biologen, die Lage recht nüchtern analysiert und dem nur zuzustimmen ist, wenn er sagt:
Zum Glück gibt es viele vernünftige Menschen, die versuchen, dem ganzen Spuk auf alle möglichen Arten ein Ende zu bereiten: wissenschaftlich, juristisch, weltanschaulich, satirisch.
Ich hatte es ja schon einmal von ihm, aber der Herr Stoiber macht natürlich weiter. Wieder einmal fordert er eine Verschärfung des Paragraphen 166, der ja “nur” Strafen vorsieht, wenn die öffentliche Ordnung gestört wird. Wozu das Herumtrampeln auf religiösen Gefühlen führe, habe man ja bei den Mohammed-Karikaturen gesehen.
Erkläre diesem Mann doch bitte einmal jemand den Gedanken der Aufklärung. Dass man für Gotteslästerung hierzulande nicht mehr verbrannt wird, ist eine Errungenschaft und kein Zustand, dem abgeholfen werden muss. Im Gegenteil! Desensibilisierung ist eine gute Sache und das Ziel ist, verrückte Ideen, wie sie von Religionen verbreitet werden, in ihrem Einfluss zu minimieren und irgendwann loszuwerden.
Rücksicht auf religiöse Gefühle bestärkt die Ewiggestrigen, ermuntert sie, sich aufzuregen, und führt generell in die falsche Richtung. Nichts ist heilig.
Richard Dawkins ist Evolutionsbiologe und unter anderem durch populärwissenschaftliche Bücher (“Das egoistische Gen”) bekannt. In einer TV-Serie für das britische Fernsehen mit dem Titel The Root of All Evil? greift er das grundlegende Problem auf, das alle Religionen gemein haben: Sie verhindern kritisches Denken und Vernunft.
Ich stimme völlig mit ihm darin überein, dass Religion und Wissenschaft einander gegenüber stehen und dass es Unsinn ist zu behaupten, dass sie nebeneinander existieren können oder sogar miteinander vereinbar sind. Die beiden bisherigen Abschnitte der Serie finden sich auf Google Video und sind ein echtes Muss:
- The Virus of Faith
(via Pharyngula)
Die ZEIT hatte neulich einen Artikel über die Templeton Foundation, eine finanziell sehr gut ausgestattete Organisation, die versucht, die Grenzen zwischen Wissenschaft und Spiritualität aufzuweichen. Ich finde, dass es eine sehr bedenkliche Entwicklung ist, dass Wissenschaft nicht mehr als Gegenpol zu Aberglaube, Religion und Spiritualismus gesehen wird.
Das mit dem Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft ist doch eigentlich ganz einfach: Sobald es irgendeine Überprüfbarkeit der Aussagen gibt, verlieren Religionen und anderer Aberglaube jede Debatte gegen jemanden, der nachschaut, nachfragt oder nachmisst. Jahrhundertelang haben Menschen nach einem Gottesbeweis gesucht und das Ergebnis ist nichtig, wenn man den Maßstab der Überprüfbarkeit anlegt.
Leute, die sich lange damit beschäftigt haben, wissen das, und hüten sich, überprüfbare Aussagen zu machen. Solange sie sich nur zu Dingen äußern, die man halt entweder glaubt oder nicht, sind sie unangreifbar. Sogar die katholische Kirche sieht das ein und erkennt vielerlei wissenschaftliche Erkentnisse an. Das ist ihr aber nicht wirklich zu Gute zu halten, denn sie will natürlich ihre Stellung und ihren Einfluss wahren weiß ganz genau, dass sie verliert, wenn sie sich auf überprüfbares Terrain begibt.
Einen Haken hat die Sache aber leider: Menschen lassen sich nicht notwendigerweise von guten Argumenten überzeugen. Dass sich also rationale Argumente mit der Zeit schon durchsetzen, ist nicht zwingend, wird aber leider von vielen, die Aberglauben ablehnen, resignierend angenommen. Wenn dem aber so wäre, gäbe es schon heute keine Religionen mehr, die versuchen, ihre irrationalen Lehren gegen aufklärerisches Denken zu verteidigen. Es gibt sie aber, vielleicht deswegen.
(Ed: Dieser Text wurde zuerst auf blogressiv.de veröffentlicht und dort finden sich eventuell weitere Kommentare.)
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