Christentum

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Videolink, via SoWhy

Tiere sind Dinge, aber Engel gibt es. Genau.

Warum tun sich Menschen – nicht nur Kardinäle, für die es sicher eine Berufsvoraussetzung ist – so schwer damit, sich als Tiere zu sehen? Ich fand das schon immer eine erhellende und gleichzeitig bescheiden machende Einsicht.

Ich weiß zwar nicht, was in dem Artikel steht, zu dem Wortfeld Links nachliefert, aber Mr. Deity und God, Inc, englische Parodien auf Gott in Form von Kurzserien, sind schon sehr witzig.

Scientology macht ein Zentrum in Berlin auf und es kommen Stimmen wie die hier:

[Laut Günther Beckstein ist] Scientology keine religiöse Bewegung. “Sie ist vielmehr ein Unternehmen, dem es um wirtschaftliche und politische Macht geht. Auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse stellte in [der Berliner Zeitung] klar, dass es sich bei Scientology nicht um eine Religionsgemeinschaft handele, “sondern um ein strategisch handelndes Wirtschaftsunternehmen, dessen Ziel es ist, Macht über Menschen zu gewinnen und dabei Geld zu verdienen”. Man müsse genau aufpassen, ob Scientology missionarisch tätig werde und sich Menschen gefügig mache.

Ich finde ja auch, dass Scientologen gefährliche Spinner sind und man ihnen genau auf die Finger schauen sollte. Jedoch sind sie per Definition eine religiöse Bewegung: Sie glauben an eine völlig unglaubliche Geschichte, die sich einmal jemand ausgedacht hat. Und der Rest der Zitate trifft, finde ich, genauso auf das Christentum zu. Der einzige Unterschied ist, dass seine Erfindung etwas länger zurück liegt und dass es sich zugegebenermaßen etwas gemäßigt hat.

Im Zusammenhang mit der Opernabsetzung in Berlin aufgrund eventueller Bedrohung durch radikale Muslime erinnert die ZEIT mit dem aktuellen Leitartikel daran, wie oft in Deutschland schon Aufführungen polizeilich geschützt werden mußten – vor einheimischen Christen. Die unterschiedlichen Maßstäbe, die Politiker bei ihren Äußerungen anlegen, werden sehr schön dargelegt und das eigentliche Problem auf den Punkt gebracht:

Die Kunst ist so frei, kein Zwang zu sein. Niemand muss sich anschauen, wie Mohammed, Jesus und Buddha geköpft werden. Man muss nur damit leben (können), dass es gezeigt wird und dass es sich jemand ansieht, mit Gewinn oder um sich erst recht darüber aufzuregen.

Denn das ist die Errungenschaft, die verteidigt werden muss: dass wir im Rahmen unserer Grundrechte und Gesetze bereit sind, auch das zu ertragen, was wir persönlich unerträglich finden. Die vertrackte Dialektik der (Kunst-)Freiheit verlangt sogar noch mehr: Das Grundrecht verpflichtet uns dazu, mitunter das Unerträgliche nicht nur zu erdulden, sondern zu schützen.

Lesenswert!

Niels kritisiert den schon erwähnten Spreeblick-Artikel als “Plumpes Kirchen-Bashing”, weil die katholische Kirche in den selben Topf wie kreationistische Freikirchen geworfen werden.

Sicherlich kann man diese Unterscheidung machen, aber ich halte die Gemeinsamkeiten für groß genug, einen solchen gemeinsamen Topf zu rechtfertigen. In den dortigen Kommentaren steht mehr.

Livets Ord, die hiesigen Extremchristen, halten diese Woche ihre Europakonferenz (schwedisch) in Uppsala und es wird eine fünfstellige Besucheranzahl erwartet. Sogar der Parteichef der schwedischen Christdemokraten ist sich nicht zu schade, durch ein Gespräch mit dem radikalen Oberprediger auf dem Programm der Konferenz zu stehen.

Was wird auf so einem Treffen abseits der Mythenpropaganda beredet? Neueste Methoden, den säkularen Staat zu unterwandern? Wie man Kindern in den eigenen religiösen Schulen am besten das kritische Denken abgewöhnt?

Ich glaube, das ist ein guter Anlass, diesem Schandfleck von Uppsala diese Woche endlich einmal einen Besuch abzustatten…

Die SZ beschreibt in einem lesenswerten Artikel das Wiedererstarken von religiösem Dogma und den aktiv und erfolgreich geführten Kampf gegen Wissenschaft (Evolution) und aufgeklärtes Denken. Wirklich Neues erfährt man zwar nicht und in einigen Details könnte man widersprechen, dennoch ist es bei aller Kürze genug, sich erneut aufzuregen und an der Situation zu verzweifeln.

Religion ist ein Beweis für die Schwäche des Menschen, kein Argument für die Existenz Gottes. Und dass die Renaissance des Glaubens die Welt zu einem schöneren Ort gemacht hat, wird ihm Ernst niemand behaupten.

Zum Thema Intelligentes Design, dem leider nicht für alle lachhaften Versuch, göttliche Schöpfung mit Evolution zu vermischen, hat Spreeblick etwas Musik ausgegraben und verlinkt auch ein Interview mit einem Biologen, die Lage recht nüchtern analysiert und dem nur zuzustimmen ist, wenn er sagt:

Zum Glück gibt es viele vernünftige Menschen, die versuchen, dem ganzen Spuk auf alle möglichen Arten ein Ende zu bereiten: wissenschaftlich, juristisch, weltanschaulich, satirisch.

Richard Dawkins ist Evolutionsbiologe und unter anderem durch populärwissenschaftliche Bücher (“Das egoistische Gen”) bekannt. In einer TV-Serie für das britische Fernsehen mit dem Titel The Root of All Evil? greift er das grundlegende Problem auf, das alle Religionen gemein haben: Sie verhindern kritisches Denken und Vernunft.

Ich stimme völlig mit ihm darin überein, dass Religion und Wissenschaft einander gegenüber stehen und dass es Unsinn ist zu behaupten, dass sie nebeneinander existieren können oder sogar miteinander vereinbar sind. Die beiden bisherigen Abschnitte der Serie finden sich auf Google Video und sind ein echtes Muss:

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