Evolution

Artikel mit dem Schlagwort Evolution.

Religion hat sich nur aus einem Grund entwickelt: Um das Überleben menschlicher Gesellschaften zu fördern.

Mehr dazu auf Englisch hier.

Ich habe hier schon eine Weile nicht mehr geschrieben. Mein schlechtes Gewissen hält sich in Grenzen, denn das Thema dieses Blogs wird uns so schnell nicht abhanden kommen.

Gerade bekam ich wieder einmal Post. Ein Pamphlet, das aus wirr und unschlüssig zusammengewürfelten Argumenten widerlegen will, dass Evolution eine gute Erklärung für den Ursprung des Lebens ist. Natürlich könnte man sich die Arbeit machen, den Text zu zerlegen, aber wozu? Man gibt damit abstrusen Ideen mehr Aufmerksamkeit als sie verdienen und den oder die Verfasser überzeugt man ohnehin nicht.

Außer Emails bekomme ich in regelmäßigen Abständen sogar Papierpost, in denen mir jemand seine tolle spirituelle Idee andrehen oder mich davon überzeugen will, dass ich “auf dem falschen Weg” bin und doch “zu Gott finden solle”. Ein Beispiel habe ich ja schon aufgeschrieben aber generell gilt auch da, dass der Papierkorb der einzig richtige Aufbewahrungsort ist. Aber erst nachdem man sich gut amüsiert hat, natürlich.

Immerhin habe ich noch keine Drohungen bekommen. So viel Spaß wie Dawkins beim Lesen seiner Emails habe ich also nicht.

Tiere sind Dinge, aber Engel gibt es. Genau.

Warum tun sich Menschen – nicht nur Kardinäle, für die es sicher eine Berufsvoraussetzung ist – so schwer damit, sich als Tiere zu sehen? Ich fand das schon immer eine erhellende und gleichzeitig bescheiden machende Einsicht.

Ist dieses Blog tot? Ein wenig, schließlich kam seit April nichts Neues, aber nicht wirklich.

Der eigene Zorn über unsinnige Äußerungen wie diese kann nicht permanent sein, gerade wenn sie sich häufen. Ich stumpfe ab und eine gewisse Resignation macht sich breit darüber, dass Menschen, die ein Märchen im Biologieunterricht lehren wollen und deswegen als Spinner abgetan werden sollten, einen solchen Platz in der Gesellschaft einnehmen können, dass man ihnen überhaupt eine Bühne gibt.

Wenn jemand behauptet, intelligente Außerirdische hätten willentlich Leben auf die Erde gebracht, ist das keine Nachricht sondern höchstens ein Lächeln wert – zu Recht. Der einzige Unterschied zur biblischen Geschichte ist, dass man diese seit ein paar tausend Jahren oft genug wiederholt hat, dass Leute sie glauben und weiterverbreiten. Ein leider entscheidender Unterschied.

Ich habe zwar nicht vor, diese Seite zum Dawkins Fanblog zu machen, aber was er in diesem Interview sagt, ist erneut lesenswert. Nicht nur wiederholt er einige seiner Argumente gegen Religion, sondern geht auch auf die Kritik von Wissenschaftskollegen ein, die ihm vorwerfen, der christlichen Rechten durch seine Haltung, dass Religion und Wissenschaft fundamental unvereinbar seien, Argumentationshilfen zu liefern.

Das Interview ist auf Englisch und man muß sich zuerst eine Werbung ansehen, bevor man zum ganzen Text kommt.

The God Delusion, das neue Buch von Richard Dawkins, ist erschienen und erregt erfreulicherweise viel Aufmerksamkeit. Es nimmt die Spitze der Bestsellerliste des britischen Amazon ein und steht auf Platz 5 im amerikanischen. Die deutsche Übersetzung wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen und der Titel wird wohl in etwa Wahnvorstellung Gott lauten.

Eine kleine Kritik (englisch) gibt es bei Daylight Atheism.

Die SZ beschreibt in einem lesenswerten Artikel das Wiedererstarken von religiösem Dogma und den aktiv und erfolgreich geführten Kampf gegen Wissenschaft (Evolution) und aufgeklärtes Denken. Wirklich Neues erfährt man zwar nicht und in einigen Details könnte man widersprechen, dennoch ist es bei aller Kürze genug, sich erneut aufzuregen und an der Situation zu verzweifeln.

Religion ist ein Beweis für die Schwäche des Menschen, kein Argument für die Existenz Gottes. Und dass die Renaissance des Glaubens die Welt zu einem schöneren Ort gemacht hat, wird ihm Ernst niemand behaupten.

Zum Thema Intelligentes Design, dem leider nicht für alle lachhaften Versuch, göttliche Schöpfung mit Evolution zu vermischen, hat Spreeblick etwas Musik ausgegraben und verlinkt auch ein Interview mit einem Biologen, die Lage recht nüchtern analysiert und dem nur zuzustimmen ist, wenn er sagt:

Zum Glück gibt es viele vernünftige Menschen, die versuchen, dem ganzen Spuk auf alle möglichen Arten ein Ende zu bereiten: wissenschaftlich, juristisch, weltanschaulich, satirisch.

Richard Dawkins ist Evolutionsbiologe und unter anderem durch populärwissenschaftliche Bücher (“Das egoistische Gen”) bekannt. In einer TV-Serie für das britische Fernsehen mit dem Titel The Root of All Evil? greift er das grundlegende Problem auf, das alle Religionen gemein haben: Sie verhindern kritisches Denken und Vernunft.

Ich stimme völlig mit ihm darin überein, dass Religion und Wissenschaft einander gegenüber stehen und dass es Unsinn ist zu behaupten, dass sie nebeneinander existieren können oder sogar miteinander vereinbar sind. Die beiden bisherigen Abschnitte der Serie finden sich auf Google Video und sind ein echtes Muss:

Telepolis schreibt als Untertitel zu Ungeliebte Evolutionstheorie:

In den USA sagen mehr als die Hälfte der Menschen, dass Gott die Menschen so geschaffen hat, wie sie jetzt sind, in Deutschland glauben dies bislang nur 12 Prozent.

Bislang nur? Ist es jetzt schon ein unausweichlicher Trend, dass mehr und mehr Leute Evolution ablehnen? Zumindest wird es mit diesem Satz so dargestellt. Bläh!

(Ed: Dieser Text wurde zuerst auf blogressiv.de veröffentlicht und dort finden sich eventuell weitere Kommentare.)

Dieses Interview aus der ZEIT ist sehr lesenswert:

ZEIT: Sie sagen, mit der Evolutionstheorie könne man Religion so präzise analysieren wie das Verhalten von Goldfischen. Meinen Sie das ernst?

Wilson: Allerdings. Ich meine aber keinen genetischen Mechanismus wie Dean Hamer in seinem Buch The God Gene. Hamer sagt, es gebe Gene, in denen unsere Spiritualität kodiert sei. Zwar zeigen uns Zwillings- und Adoptionsstudien, dass Religiosität erblich ist. Aber die genetischen Einflüsse sind dabei erheblich komplizierter, als es das Schlagwort vom »Gottesgen« glauben macht.

ZEIT: Also dann, wie entsteht Religion?

Wilson: Religionen entwickeln sich in einem Evolutionsprozess, weil sie Überleben und Reproduktion von Menschengruppen beeinflussen. Religion ist ein symbolisches System, mit dem eine Gemeinschaft effizient organisiert werden kann. Religionstheorien gibt es schon lange, ökonomische, auch soziologische. Ich sage, Religion ist ein Produkt kultureller Evolution. Diese These haben wir an einer zufälligen Auswahl von 35 verschiedenen Glaubenssystemen überprüft – und weitgehend bestätigt gefunden.

(Ed: Dieser Text wurde zuerst auf blogressiv.de veröffentlicht und dort finden sich eventuell weitere Kommentare.)

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