Gottesbeweis

Artikel mit dem Schlagwort Gottesbeweis.

Religion ist ein seltsames Thema. Es erregt die Gemüter der Menschen. Trotz der recht geringen Aktivität und Leserzahl dieses Blogs kommen regelmäßig Kommentare von aufgebrachten Menschen, die mich beziehungsweise alle Atheisten beschimpfen. Natürlich werden solche Kommentare nicht freigeschaltet.

Auch bei Bemerkungen von Leuten, die meinen, es reiche aus, ein abgedroschenes Argument in einem Satz zu wiederholen, um etwas zu “belegen”, überlege ich zweimal, bevor ich sie freigebe. Schließlich will ich Unsinn nicht unbeantwortet auf meiner Seite stehen lassen (das könnte als Zustimmung missverstanden werden) und es ist mühsam, sich jedesmal auf einen Flamewar einzulassen.

Ein schönes Beispiel für “abgedroschenes Argument” ist folgendes: Ihr Atheisten glaubt genauso an etwas, nämlich daran, dass es keinen Gott gibt, aber beweisen könnt ihr das nicht.

Hiervon einmal ganz abgesehen. Ist es so schwer zu befreifen, dass außerordentliche Behauptungen außerordentliche Beweise erfordern? Wenn ich behaupte, ich hätte einen Drachen in meiner Garage1, dann glaubt mir hoffentlich keiner, wenn ich ihn nicht vorzeigen kann. Kurz und gut: Die Beweislast liegt bei denen, die behaupten, es gäbe einen Gott, nicht bei uns, die vernünftigerweise davon ausgehen, dass nicht.

1Beispiel von Carl Sagan geklaut.

Telepolis beschäftigt sich mit biblischen Prophezeiungen. Alles Humbug? Ja, in der Tat, es ist jedoch immer wieder interessant, ein paar Beispiele dafür zu bekommen, wie verzweifelt man Wunschdenken zu “belegen” versucht.

Offensichtlich reicht es aus, schon Gläubige zu bestärken. Was aber bräuchte es, um einen Atheisten zu überzeugen? Im Theist’s Guide to Converting Atheists von Ebon Musings werden Kriterien genannt, die auch Skeptiker aufhorchen lassen würden.

  • Spezifische, nicht-triviale, nicht selbsterfüllende, nicht beinflussbare Prophezeihungen. Stünde in der Bibel so etwas wie, dass zwei Tage nach der zweitausendundvierten Feier Christi Geburt eine Flut im Osten kommen wird, dann könnte man anfangen, darüber nachzudenken.
  • Wissen, das zur Zeit des Schreibens nicht vorhanden war. Sätze wie “Und sehet, eure Energie ist gleich eurer Masse, zwei Mal multipliziert mit der Geschwindigkeit des Lichtes” finden sich aber nicht in der Bibel, obwohl es doch für ein höheres Wesen ein Leichtes sein sollte, etwas zu vermitteln, das zu jener Zeit zwar kryptisch ist, aber später klar würde.
  • Wenn Beten und Verdammen etwas bewirken würde. Wenn Städte oder Menschen, die ein Prediger verdammt, ohne erkennbaren Grund (!) in Flammen aufgingen, oder Atheisten reihenweise vom Blitz getroffen würden. Oder auch nur ein messbarer Effekt in einer Doppelblindstudie mit zwei Patientengruppen, wobei für die eine gebetet wird, für die andere nicht – all das wären Beweise, die sich weniger leicht widerlegen ließen. Meines Wissens passiert solches aber nicht. Wir leben in einer rationalen Welt, in der Dinge natürliche Ursachen haben.
  • Direkte Manifestation. Wenn Gott mir erscheint und zu mir spricht, dann werde ich konvertieren. Aber bitte so, dass ich sicher sein kann, dass es keine Halluzination ist, also vor Zeugen, die sich nicht in religiöser Verzückung oder sonstwie veränderten Geisteszuständen befinden. Warum gibt es heute keine Stimmen aus Büschen mehr?

    Gläubige würden jetzt sicher sagen, ich verlange zu viel. Ich finde eher, dass Religionen zu viel verlangen, nämlich dass man all diese abstrusen Geschichten glaubt, ohne auch nur den geringsten Beweis zu haben.

Ein mutiger Ukrainer wollte es wissen und argumentierte, dass die Löwen ihm nichts antun würden, wenn er zu ihnen in den Käfig steigt. Gott würde ihn schließlich beschützen. Den Ausgang der Geschichte kann sich jeder denken – aber welche Lehre kann man daraus ziehen? Mindestens zwei:

  • Religiöse Aussagen empirisch testen zu wollen, geht immer schief.
  • Auch die Spezies Mensch ist der natürlichen Auslese unterworfen.

    (Quelle, schwedisch)