Interview

Artikel mit dem Schlagwort Interview.

Nur kurz zwei Links:

  • Eine Rezension eben dieses Buches beim HPD, die ich allerdings zu lesen aufhörte, nachdem ich auf die Aussage stieß, dass es keine Taschenbuchausgabe gäbe. Eben diese wartet in meinem Regal nämlich darauf, endlich gelesen zu werden.

Ich habe zwar nicht vor, diese Seite zum Dawkins Fanblog zu machen, aber was er in diesem Interview sagt, ist erneut lesenswert. Nicht nur wiederholt er einige seiner Argumente gegen Religion, sondern geht auch auf die Kritik von Wissenschaftskollegen ein, die ihm vorwerfen, der christlichen Rechten durch seine Haltung, dass Religion und Wissenschaft fundamental unvereinbar seien, Argumentationshilfen zu liefern.

Das Interview ist auf Englisch und man muß sich zuerst eine Werbung ansehen, bevor man zum ganzen Text kommt.

Die Pause, die Bloggerkettenbriefe in letzter Zeit eingelegt hatten, scheint lange genug gewesen zu sein. Es kursiert wieder ein Blogger-Stöckchen und neulich wurde es mir zugeworfen – also los:

Warum bloggst du?
Ist das nicht offensichtlich? Weil ich glaube, etwas zu sagen zu haben. Die eigentliche Motivation kommt jedoch erst, wenn man es irgendwie hinbekommt, interessant genug zu schreiben, dass es auch gelesen wird. Man entwickelt sich dabei weiter, versucht sich an bisher Ungewohntem, kann üben, sich auszudrücken und noch viel mehr. Vielleicht spielt auch der technische Aspekt eine gewisse Rolle zu Beginn (Software aufsetzen und zurechthacken), aber irgendwann geht es nur noch um Inhalt.

Seit wann bloggst du?
Meine Blogger-Historie: Ich habe gerade nachgesehen und mein erster Blogeintrag ist vom 6. Mai 2004, als ich mich entschloss, Drupal für meine Homepage zu installieren. Der erste Eintrag hat lächerlichen Inhalt und ist lediglich eine Referenz zu Slashdot, einem (_dem_?) Urgestein der Blogs. Auf thomasmarquart.net schreibe ich immer noch (v.a. auf Englisch aber nicht nur), wenn auch sehr sporadisch und meist über technisches oder geek-artiges. Dort ist auch mein Bilder-Archiv.

2005 kam dann ein rein deutschsprachiger Blog: blogressiv.de. Als Gemeinschaftsblog geplant, war es dann aber doch fast nur ich, der dort zu politischen und gesellschaftlichen Themen schrieb. Blogressiv litt und leidet an mangelnder Ausrichtung, weswegen ich mittlerweile zwei speziellere Blogs zu Themen habe, die auf Blogressiv angeschitten wurden:

  • Fiket.de handelt von Schweden und auch ein wenig von meinem Leben dort. Ich versuche, Unterschiede zu Deutschland herauszuarbeiten und auch den Blick von außen auf selbiges abzudecken. Hier schreibe ich heute am meisten.
  • Atheist und Gut entstand spontan, als ich mich einmal wieder maßlos über religiöse Ignoranz und Arroganz aufgeregt habe. Hier schreibe ich seltener, aber denke, dass dieses Thema hohes Blogpotential hat. ;-)

    Selbstportrait?
    Im Bild, das in meinen allerersten Blogeintrag (s.o.) verlinkt ist, bin ich der unten in der Mitte und sehe auch heute noch so aus.

    Warum lesen deine Leser deinen Blog?
    Gute Frage, aber genug tun es.

    Welche war die letzte Suchanfrage, über die jemand auf deine Seite kam?
    Zu Atheist und Gut war es Das Wunder von La Palma, zu Fiket Störfall Forsmark, weil die deutschen Medien das Thema verpennt hatten und ich da die letzten zwei Tage mit einem Artikel von letzter Woche ganz oben auftauchte.

    Welcher deiner Blogeinträge bekam zu Unrecht zu wenig Aufmerksamkeit?
    Zu Unrecht? Keiner. Es sind doch die Leser, die das entscheiden…

    Dein aktuelles Lieblings-Blog?
    Vielleicht netzpolitik.org oder Cosmic Variance oder der Polarblog oder gar astro-ph ? Nein, letzterer dann doch nicht.

    Welchen Blog hast du zuletzt gelesen?
    Alle meine abonnierten natürlich. Mein neuester Zugang zur Liste ist xkcd.com mit tollen Zeichnungen.

    Wie viele Feeds hast du gerade im Moment abonniert?
    “83485 items in 138 feeds” sagt mein Gregarius. Die alten Beiträge in der Datenbank zu behalten ist sehr praktisch, wenn man etwas wiederfinden möchte.

    An welche vier Blogs wirfst du das Stöckchen weiter und warum?
    Bis hierher habe ich brav mitgemacht, jetzt werd’ ich zum Spielverderber. Ganz einfach, weil ich niemandem diese Bürde zwangsweise auferlegen möchte. Wer das hier liest und das Stöckchen will, möge laut “HIER!” rufen, oder sich einfach mit der ID 12112212324 beim Don eintragen. :-)

Die SZ beschreibt in einem lesenswerten Artikel das Wiedererstarken von religiösem Dogma und den aktiv und erfolgreich geführten Kampf gegen Wissenschaft (Evolution) und aufgeklärtes Denken. Wirklich Neues erfährt man zwar nicht und in einigen Details könnte man widersprechen, dennoch ist es bei aller Kürze genug, sich erneut aufzuregen und an der Situation zu verzweifeln.

Religion ist ein Beweis für die Schwäche des Menschen, kein Argument für die Existenz Gottes. Und dass die Renaissance des Glaubens die Welt zu einem schöneren Ort gemacht hat, wird ihm Ernst niemand behaupten.

Zum Thema Intelligentes Design, dem leider nicht für alle lachhaften Versuch, göttliche Schöpfung mit Evolution zu vermischen, hat Spreeblick etwas Musik ausgegraben und verlinkt auch ein Interview mit einem Biologen, die Lage recht nüchtern analysiert und dem nur zuzustimmen ist, wenn er sagt:

Zum Glück gibt es viele vernünftige Menschen, die versuchen, dem ganzen Spuk auf alle möglichen Arten ein Ende zu bereiten: wissenschaftlich, juristisch, weltanschaulich, satirisch.

Ich habe gerade ein altes Video von Richard Feynman auf meiner Festplatte gefunden und nach kurzem Reinschauen bin ich gleich die vollen 50 Minuten hängengeblieben. Soweit ich weiß ist aus diesem Interview das Buch Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken entstanden.

Feynman erzählt von seiner Kindheit, aber auch viel darüber, was Physik und die Welt für ihn ist. Es ist bewegend, ihm zuzuhören, und ich wurde daran erinnert, woher ich wohl einige meiner Einstellungen zur Welt habe. Zweifel als Grundeinstellung und lieber in Ungewissheit leben, als falscher Gewissheit aufzusitzen. Dazu sagt er sehr treffend:

Ich brauche keine Antwort. Ich habe keine Angst davor, etwas nicht zu wissen; in einem geheimnisvollen Universum ohne Sinn verloren zu sein – so wie es wirklich ist, soweit ich weiß, möglicherweise. Es macht mir keine Angst. [1]

Hier das ganze Video (englisch, 50min):

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[1] Im Original: I don’t have to know an answer. I don’t feel frightened by not knowing things; by being lost in a mysterious universe without any purpose – which is the way it really is, as far as I can tell, possibly. It doesn’t frighten me.

Einer der größten “Nachteile” von Atheisten im Kampf mit Religionen ist ihre mangelnde Organisation und Zusammengehörigkeit. Das ist ganz natürlich, denn Freidenker akzepieren Autoritäten nur widerwillig, während Religion darauf basiert, dass die unten schlichtweg alles glauben, was die oben sagen. Trotzdem bilden Atheisten, Freidenker und Humanisten Vereine und ähnliches, die sich der Verbreitung aufklärerischen Gedankenguts verschreiben.

Auch Konferenzen gibt es und auf einer solchen gab Brannon Braga, bekannt durch Star Trek, diese kurze Rede (mp3, 6,4MB, englisch). Darin argumentiert er, dass alle Religionen ihre Mythen und Geschichten haben, Atheismus aber nicht. Ein kleiner Auszug:

Atheismus hat per Definition keinen Bedarf an Mythologie. Atheismus ist Unglaube. Es ist die Abwesenheit von Glaube an die Existenz von Gottheiten. Wenn man darüber nachdenkt, ist es seltsam, dass wir alle heute hier versammelt sind, denn wir haben nichts zu bereden – außer unserer Überzeugung, dass Religion echt Scheiße ist, und darüber, wie wir die anderen 95% der Bevölkerung zur Vernunft bringen.

Er fährt fort, dass Star Trek als Mythologie für Atheisten herhalten kann. Das klingt zunächst lächerlich, schließlich ist es eine Unterhaltungsserie. Aber Braga führt das etwas aus und es ist natürlich richtig, dass Star Trek ohne die Action und die Science Fiction, die Vision einer Welt der Vernunft und ohne Religionen verkörpert.

Dass es lächerlich und unnötig ist, an etwas zu glauben, das es nicht gibt, und dass Probleme sich durch Vernunft und eigene Kraft lösen lassen, ist immer wiederkehrender Grundtenor bei Star Trek. Millionen von Trekkies, übereifrige Fans des Star Trek Universums, zeigen, dass die Idee mit der Mythologie für Atheisten nicht so weit hergeholt ist. Gleichzeitig finde ich, dass Verhaltensweisen dort schnell wieder religiöse Züge annehmen.

Aber ist eine Gruppe oder Bewegung, die gemeinsam eine feste Überzeugung vertritt, automatisch eine Religion? Ich -hoffe- denke nicht.

(via IBKA)

PS: Hier noch ein Interview mit Brannon Braga, das er kurz vor der Konferenz gab.
PPS: Die Diskussion nach dem Vortrag kann man auch hören (mp3) und im Freigeisterhaus wird auch darüber diskutiert.

Die Links weiter unten führen zu einem äußert sehens- oder lesenswertes Interview mit Salman Rushdie, in dem das Verhältnis zwischen Glauben und Vernunft diskutiert wird. Es geht um die Mohammed-Karikaturen, religiösen Fanatismus und religiöse Verzückung, das menschliche Streben nach Transzendenz und darum, wie das Konfliktpotential abgebaut werden könnte. Gegen Ende liest er ein Stück aus den Satanischen Versen, dem Buch, wegen dessen er jahrelang von Islamisten bedroht wurde.

Das Interview auf englisch dauert 57 sehr gut investierte Minuten und findet sich entweder

Dieses Interview aus der ZEIT ist sehr lesenswert:

ZEIT: Sie sagen, mit der Evolutionstheorie könne man Religion so präzise analysieren wie das Verhalten von Goldfischen. Meinen Sie das ernst?

Wilson: Allerdings. Ich meine aber keinen genetischen Mechanismus wie Dean Hamer in seinem Buch The God Gene. Hamer sagt, es gebe Gene, in denen unsere Spiritualität kodiert sei. Zwar zeigen uns Zwillings- und Adoptionsstudien, dass Religiosität erblich ist. Aber die genetischen Einflüsse sind dabei erheblich komplizierter, als es das Schlagwort vom »Gottesgen« glauben macht.

ZEIT: Also dann, wie entsteht Religion?

Wilson: Religionen entwickeln sich in einem Evolutionsprozess, weil sie Überleben und Reproduktion von Menschengruppen beeinflussen. Religion ist ein symbolisches System, mit dem eine Gemeinschaft effizient organisiert werden kann. Religionstheorien gibt es schon lange, ökonomische, auch soziologische. Ich sage, Religion ist ein Produkt kultureller Evolution. Diese These haben wir an einer zufälligen Auswahl von 35 verschiedenen Glaubenssystemen überprüft – und weitgehend bestätigt gefunden.

(Ed: Dieser Text wurde zuerst auf blogressiv.de veröffentlicht und dort finden sich eventuell weitere Kommentare.)