Kirche

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Das ist doch einmal eine interessante Statistik.

Unter häufigen Kirchgängern in den USA finden 54%, dass Folter bei des Terrorismus Verdächtigen “oft” bzw. “manchmal” gerechtfertigt ist. 44% finden “selten” oder “nie”. Unter Kirchenabstinenzlern ist die “Mehrheit” andersherum: 42% kreuzten “oft” oder “manchmal” an, 53% “selten” oder “nie”. Einzelheiten hinter obigen Link.

Natürlich ist eine Korrelation nicht notwendigerweise ein Kausalzusammenhang, aber dann wüsste ich gerne, welcher unbekannte Faktor dafür sorgt, dass Kirchgänger Folter eher in Ordnung finden. Oder hat es doch damit zu tun, dass einem in der Kirche ein Folterinstrument als positives Symbol verkauft wird?

Aus einem Interview in der SZ mit Lemmy Kilmister, dem Sänger von Motörhead:

Kilmister: Die Welt ist böse. Motörhead tritt dir nur in den Arsch. Motörhead ist eine Rock-’n’- Roll-Band. Wir sind nur Hintergrundmusik. Wieso sind wir böse? . . . Wieso ist nicht die Kirche böse?

SZ: Die Kirche? Welche?

Kilmister: Alle. Was für ein Wahnsinn, den Leuten zu erzählen, Maria ist jungfräulich niedergekommen. Armer Josef, oder? Und Jesus? Stirbt am Kreuz und steht wieder auf? Wahnsinn! Wahnsinn!!

SZ: Es ist eher bildlich . . .

Kilmister: Sag einem wiedergeborenen Christen in den USA, dass das bildlich gemeint ist – der rastet aus und überfällt Mexiko! Ich meine, Leute, die Länder regieren, ernstzunehmende Länder, keine Voodoostämme, okay?, diese Leute behaupten tatsächlich, dass all’ diese sagenhaften Märchen aus der Bibel stimmen! Sie berufen sich darauf, wenn sie politische Entscheidungen treffen, gegen Kondome, gegen Aids-Aufklärung, Reagan sah Aids als gerechte Strafe. Das ist schlimm, mein Lieber! Die Leute schwören auf die Bibel. Das ist, als ob du mit einem Piloten fliegst, der Gespenster sieht!

SZ: Johann Sebastian Bach wäre ohne die Kirche gar nicht vorstellbar.

Kilmister: Absoluter Unsinn.

SZ: Aber doch!

Kilmister: Unsinn. Bach wäre ohne Transzendenz nicht vorstellbar. Die Kirche hat ihn benutzt. Und er hat sich benutzen lassen. So war’n die Zeiten. Die Leute mussten ja von was leben. Cheers!

SZ: Jedem seinen Glauben, oder?

Kilmister: Ich hab’ keine Bibel in der Hand. Bush hat eine, Blair hatte eine, Saddam wedelte mit dem Koran rum, die Schlächter in Srebrenica konnten auch auf die Liebe ihrer Kirche zählen, als sie die Leute da reihenweise massakrierten . . .

SZ: Die Kirchen sind nicht aus Prinzip böse.

Kilmister: Die Leute haben eine Scheißangst vor dem Tod. Es könnte sich der Verdacht ergeben, dass die ganze Plackerei sinnlos ist, oder? Da wir ja eh alle zur Hölle fahren. Die Kirchen ködern diese Leute mit Märchen und machen sie verrückt, Mann! Wenn du schön brav bist, bist du nicht tot, sondern nur in Gottes Armen. So – wer ist nun wahnsinnig? Ich oder die Weihrauchschwenker?

Der Mann hat recht. Vielleicht sollte ich doch einmal Motörhead hören, die ich immer nur vom Hörensagen kannte. :)

(via Twitter von Spreeblick)

Ich war gestern Zuschauer einer Debatte zwischen dem “schwedischen Richard Dawkins” und dem Gründer einer Freikirche. Mehr dazu drüben in meinem Schwedenblog.

Dass im Gesundheitswesen den Kirchen mit staatlichen Geldern viel unverdiente Macht geschenkt wird, ist bekannt. Dass das in einigen Fächern auch für Lehrstühle an Universitäten gilt, war mir neu und ich finde es skandalös für einen säkularen Staat.

Der aktuelle Besuch des Herrn Ratzinger ließe viel Gelegenheit für Kritik. Leider bin ich sowohl weit weg, als auch zu beschäftigt, mich gerade damit zu befassen. Ich verweise stattdessen auf blog.sowhy.de.

Schweden ist säkularer und atheistischer als Deutschland. Das spiegelt sich auf viele Arten wider und ein Beispiel ist die Meldung (S), dass nichtreligiöse Beerdigungen immer häufiger werden. Seit 2001 hat sich die Zahl fast verdoppelt.

Im Großraum Stockholm ist der Anteil mit 10% am höchsten. Das ist natürlich noch keine Mehrheit, aber die Entwickling geht in die richtige Richtung. Kommunale Friedhöfe, die nicht an eine bestimmte Religion geknüpft sind, sind keine Seltenheit.

Kennt jemand den Prozentsatz nichtkirchlicher Beisetzungen in Deutschland?

Vorhin fuhr ich Bus, hier in Uppsala. Ich holte unseren Wellensittich von einer Freundin zurück, wo er während unseres Kurzurlaubs war. Ich steige also in den Bus und setze mich neben den Kinderwagenplatz, wo der Käfig Platz findet. Neben mir sitzt ein älterer vollbärtiger Mann, der einen Klappstuhl mit sich führt.

Es dauert nicht lange bis er mich anspricht, auf den Vogel natürlich. Als ich ihm antworte, dass es ein Weibchen ist, fragt er, warum ich kein Männchen dazu habe. Schließlich will sie sich doch paaren und das ist ja überhaupt das, worauf alles hinausläuft. Eigentlich unwillig, mich zu rechtfertigen, kamen wir dann doch recht schnell auf ihn selbst zu sprechen und er sagte, dass fast 30 Jahre lang Vögel hatte, bis “die Religiösen” es ihm verbieten liessen.

Bitte? frage ich. Ja, sagt er, sie waren der Ansicht, er behandelte seine Vögel nicht gut. Und verprügelt hätten sie ihn auch schon, weil sie echt sauer seien, weil er Leute enttaufe. Zum Beweis zeigt er mir sein Schild mit dem er sich in der Fußgängerzone auf seinen Klappstuhl setzt und Leute dazu auffordert, sich von ihm enttaufen zu lassen.

Ich komme nicht dazu, ihn zu fragen, wie er das denn mache, denn seine Haltestelle nähert sich, aber ich bekundete meine Sympathie zu seinem Tun. Er wiederholt beim Aussteigen, dass die Religiösen richtig wütend auf ihn seien, und dass eben die, die Liebe predigen, die ersten seien, die zuschlagen.

Wer sich zu Recht fragt, warum ein säkularer Staat Steuern für Religionsgemeinschaften eintreiben soll, kann mit dieser Petition dazu beitragen, dass dieser Missstand vielleicht bald beseitigt wird.

Niels kritisiert den schon erwähnten Spreeblick-Artikel als “Plumpes Kirchen-Bashing”, weil die katholische Kirche in den selben Topf wie kreationistische Freikirchen geworfen werden.

Sicherlich kann man diese Unterscheidung machen, aber ich halte die Gemeinsamkeiten für groß genug, einen solchen gemeinsamen Topf zu rechtfertigen. In den dortigen Kommentaren steht mehr.

Livets Ord, die hiesigen Extremchristen, halten diese Woche ihre Europakonferenz (schwedisch) in Uppsala und es wird eine fünfstellige Besucheranzahl erwartet. Sogar der Parteichef der schwedischen Christdemokraten ist sich nicht zu schade, durch ein Gespräch mit dem radikalen Oberprediger auf dem Programm der Konferenz zu stehen.

Was wird auf so einem Treffen abseits der Mythenpropaganda beredet? Neueste Methoden, den säkularen Staat zu unterwandern? Wie man Kindern in den eigenen religiösen Schulen am besten das kritische Denken abgewöhnt?

Ich glaube, das ist ein guter Anlass, diesem Schandfleck von Uppsala diese Woche endlich einmal einen Besuch abzustatten…

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