Lesestoff

Artikel mit dem Schlagwort Lesestoff.

Ich finde es schön, dass meine alte Heimatstadt Aschaffenburg häufig im Zusammenhang mit Religionskritik auftaucht. Zuletzt war da das eifrig berichtete und viel diskutierte Kinderbuch “Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel”

Einen kleinen Blick hinein werfen kann man in der Bildergalerie der SZ, deren Bildunterschriften auch gleichzeitig zeigen, wie schnell der Versuch, Kinder religiösen Autoritäten gegenüber skeptisch zu stimmen, als Hetze verunglimpft wird.

Mehr Info und eine Unterschriftenliste gegen die beantragte Indizierung des Buches gibt es auf ferkelbuch.de. Das Buch findet man natürlich in Buchhandlungen, man kann es aber auch direkt beim Verlag bestellen, ebenso bei den üblichen Internetversendern wie Amazon, wo es sogar auf Platz 5 der Bestsellerliste steht. Der Medienrummel scheint sich auszuzahlen.

Nachtrag 6. März 2008: Der Indizierungsantrag wurde abgeleht. Sehr schön.

Die ZEIT startet in der kommenden Ausgabe eine Reihe zu den großen Religionen und zum Atheismus. Passend dazu hat sie einen Religionstest online gestellt, bei dem man als Ungläubiger allerdings keine Möglichkeit hat, adäquat zu antworten.

Ein Fall für Onkel Brumm?

Nur kurz zwei Links:

  • Eine Rezension eben dieses Buches beim HPD, die ich allerdings zu lesen aufhörte, nachdem ich auf die Aussage stieß, dass es keine Taschenbuchausgabe gäbe. Eben diese wartet in meinem Regal nämlich darauf, endlich gelesen zu werden.

Die TAZ fasst die in den USA aufkommende Antireligionsbewegung sehr schön zusammen und bestätigt, dass dieser Blog voll im Trend liegt. ;)

Imagine no religion!

(via)

Der humanistische Pressedienst hat aufgemacht und auf den ersten Blick gefallen mir die Inhalte. Den (seltsamerweise nicht verlinkten) RSS-Feed habe ich abonniert.

Eine Anmerkung zur Benutzung: Die Seite basiert offensichtlich auf Drupal, genau wie mein Ur-Blog. Deswegen kann ich verraten, dass es auch zu jeder der Kategorien (die im linken Menu) einen eigenen Feed gibt – praktisch falls man nur eine Teilmenge der Meldungen mitbekommen möchte.

Ich habe zwar nicht vor, diese Seite zum Dawkins Fanblog zu machen, aber was er in diesem Interview sagt, ist erneut lesenswert. Nicht nur wiederholt er einige seiner Argumente gegen Religion, sondern geht auch auf die Kritik von Wissenschaftskollegen ein, die ihm vorwerfen, der christlichen Rechten durch seine Haltung, dass Religion und Wissenschaft fundamental unvereinbar seien, Argumentationshilfen zu liefern.

Das Interview ist auf Englisch und man muß sich zuerst eine Werbung ansehen, bevor man zum ganzen Text kommt.

Im Zusammenhang mit der Opernabsetzung in Berlin aufgrund eventueller Bedrohung durch radikale Muslime erinnert die ZEIT mit dem aktuellen Leitartikel daran, wie oft in Deutschland schon Aufführungen polizeilich geschützt werden mußten – vor einheimischen Christen. Die unterschiedlichen Maßstäbe, die Politiker bei ihren Äußerungen anlegen, werden sehr schön dargelegt und das eigentliche Problem auf den Punkt gebracht:

Die Kunst ist so frei, kein Zwang zu sein. Niemand muss sich anschauen, wie Mohammed, Jesus und Buddha geköpft werden. Man muss nur damit leben (können), dass es gezeigt wird und dass es sich jemand ansieht, mit Gewinn oder um sich erst recht darüber aufzuregen.

Denn das ist die Errungenschaft, die verteidigt werden muss: dass wir im Rahmen unserer Grundrechte und Gesetze bereit sind, auch das zu ertragen, was wir persönlich unerträglich finden. Die vertrackte Dialektik der (Kunst-)Freiheit verlangt sogar noch mehr: Das Grundrecht verpflichtet uns dazu, mitunter das Unerträgliche nicht nur zu erdulden, sondern zu schützen.

Lesenswert!

The God Delusion, das neue Buch von Richard Dawkins, ist erschienen und erregt erfreulicherweise viel Aufmerksamkeit. Es nimmt die Spitze der Bestsellerliste des britischen Amazon ein und steht auf Platz 5 im amerikanischen. Die deutsche Übersetzung wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen und der Titel wird wohl in etwa Wahnvorstellung Gott lauten.

Eine kleine Kritik (englisch) gibt es bei Daylight Atheism.

Telepolis beschäftigt sich mit biblischen Prophezeiungen. Alles Humbug? Ja, in der Tat, es ist jedoch immer wieder interessant, ein paar Beispiele dafür zu bekommen, wie verzweifelt man Wunschdenken zu “belegen” versucht.

Offensichtlich reicht es aus, schon Gläubige zu bestärken. Was aber bräuchte es, um einen Atheisten zu überzeugen? Im Theist’s Guide to Converting Atheists von Ebon Musings werden Kriterien genannt, die auch Skeptiker aufhorchen lassen würden.

  • Spezifische, nicht-triviale, nicht selbsterfüllende, nicht beinflussbare Prophezeihungen. Stünde in der Bibel so etwas wie, dass zwei Tage nach der zweitausendundvierten Feier Christi Geburt eine Flut im Osten kommen wird, dann könnte man anfangen, darüber nachzudenken.
  • Wissen, das zur Zeit des Schreibens nicht vorhanden war. Sätze wie “Und sehet, eure Energie ist gleich eurer Masse, zwei Mal multipliziert mit der Geschwindigkeit des Lichtes” finden sich aber nicht in der Bibel, obwohl es doch für ein höheres Wesen ein Leichtes sein sollte, etwas zu vermitteln, das zu jener Zeit zwar kryptisch ist, aber später klar würde.
  • Wenn Beten und Verdammen etwas bewirken würde. Wenn Städte oder Menschen, die ein Prediger verdammt, ohne erkennbaren Grund (!) in Flammen aufgingen, oder Atheisten reihenweise vom Blitz getroffen würden. Oder auch nur ein messbarer Effekt in einer Doppelblindstudie mit zwei Patientengruppen, wobei für die eine gebetet wird, für die andere nicht – all das wären Beweise, die sich weniger leicht widerlegen ließen. Meines Wissens passiert solches aber nicht. Wir leben in einer rationalen Welt, in der Dinge natürliche Ursachen haben.
  • Direkte Manifestation. Wenn Gott mir erscheint und zu mir spricht, dann werde ich konvertieren. Aber bitte so, dass ich sicher sein kann, dass es keine Halluzination ist, also vor Zeugen, die sich nicht in religiöser Verzückung oder sonstwie veränderten Geisteszuständen befinden. Warum gibt es heute keine Stimmen aus Büschen mehr?

    Gläubige würden jetzt sicher sagen, ich verlange zu viel. Ich finde eher, dass Religionen zu viel verlangen, nämlich dass man all diese abstrusen Geschichten glaubt, ohne auch nur den geringsten Beweis zu haben.

Einer der größten “Nachteile” von Atheisten im Kampf mit Religionen ist ihre mangelnde Organisation und Zusammengehörigkeit. Das ist ganz natürlich, denn Freidenker akzepieren Autoritäten nur widerwillig, während Religion darauf basiert, dass die unten schlichtweg alles glauben, was die oben sagen. Trotzdem bilden Atheisten, Freidenker und Humanisten Vereine und ähnliches, die sich der Verbreitung aufklärerischen Gedankenguts verschreiben.

Auch Konferenzen gibt es und auf einer solchen gab Brannon Braga, bekannt durch Star Trek, diese kurze Rede (mp3, 6,4MB, englisch). Darin argumentiert er, dass alle Religionen ihre Mythen und Geschichten haben, Atheismus aber nicht. Ein kleiner Auszug:

Atheismus hat per Definition keinen Bedarf an Mythologie. Atheismus ist Unglaube. Es ist die Abwesenheit von Glaube an die Existenz von Gottheiten. Wenn man darüber nachdenkt, ist es seltsam, dass wir alle heute hier versammelt sind, denn wir haben nichts zu bereden – außer unserer Überzeugung, dass Religion echt Scheiße ist, und darüber, wie wir die anderen 95% der Bevölkerung zur Vernunft bringen.

Er fährt fort, dass Star Trek als Mythologie für Atheisten herhalten kann. Das klingt zunächst lächerlich, schließlich ist es eine Unterhaltungsserie. Aber Braga führt das etwas aus und es ist natürlich richtig, dass Star Trek ohne die Action und die Science Fiction, die Vision einer Welt der Vernunft und ohne Religionen verkörpert.

Dass es lächerlich und unnötig ist, an etwas zu glauben, das es nicht gibt, und dass Probleme sich durch Vernunft und eigene Kraft lösen lassen, ist immer wiederkehrender Grundtenor bei Star Trek. Millionen von Trekkies, übereifrige Fans des Star Trek Universums, zeigen, dass die Idee mit der Mythologie für Atheisten nicht so weit hergeholt ist. Gleichzeitig finde ich, dass Verhaltensweisen dort schnell wieder religiöse Züge annehmen.

Aber ist eine Gruppe oder Bewegung, die gemeinsam eine feste Überzeugung vertritt, automatisch eine Religion? Ich -hoffe- denke nicht.

(via IBKA)

PS: Hier noch ein Interview mit Brannon Braga, das er kurz vor der Konferenz gab.
PPS: Die Diskussion nach dem Vortrag kann man auch hören (mp3) und im Freigeisterhaus wird auch darüber diskutiert.

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