Schweden

Artikel mit dem Schlagwort Schweden.

Wikipedia weiß:

Religulous (gebildet aus engl. religion – Religion und ridiculous – lächerlich) ist ein US-amerikanischer satirischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2008. Das Drehbuch entstammt dem politischen Komödianten Bill Maher, der zugleich im Mittelpunkt des Films steht.

Den habe ich mir neulich angesehen. Es ist gute Unterhaltung und man schlägt an einigen Stellen unweigerlich die Hände über dem Kopf darüber zusammen, was die Leute da von sich geben. Ein wirkliches Muss ist der Film aber nicht, finde ich. Bis auf das Schlussplädoyer ist sein Ziel nicht, Missstände anzuprangern, sondern Lacher zu erzielen – der Regisseur ist schließlich auch der Macher von Borat.

Natürlich ist die vermeintliche Dummheit anderer Menschen die Essenz allen Humors, aber ich reagiere ein wenig allergisch, wenn sich andere Ungläubige herablassend über religiöse Menschen äußern. Wohlgemerkt meine ich die Menschen; die hanebüchenen Teile der diversen Lehren, soll man angreifen und lächerlich machen soviel man will.

Es ist einfach kein Grund zur Überheblichkeit, dass wir Gottlosen bei diesem Thema die alten Aberglauben durchschaut haben und es jetzt besser wissen. Man kann sich stattdessen an an all die Gelegenheiten erinnern, zu denen man selbst irgendeinem Unsinn aufgesessen war. Wir sitzen alle im selben Boot.

Ich war gestern Zuschauer einer Debatte zwischen dem “schwedischen Richard Dawkins” und dem Gründer einer Freikirche. Mehr dazu drüben in meinem Schwedenblog.

... und ich weiss nicht recht, was ich davon halten soll.

Ich habe angefangen, unter der Rubrik “Notizen aus Schweden” für den Humanistischen Pressedienst über religions- und humanismusverwandte Themen zu schreiben. Die erste “Ausgabe” gibt es dort oder mit Kommentaren in meinem Schwedenblog.

Schweden ist säkularer und atheistischer als Deutschland. Das spiegelt sich auf viele Arten wider und ein Beispiel ist die Meldung (S), dass nichtreligiöse Beerdigungen immer häufiger werden. Seit 2001 hat sich die Zahl fast verdoppelt.

Im Großraum Stockholm ist der Anteil mit 10% am höchsten. Das ist natürlich noch keine Mehrheit, aber die Entwickling geht in die richtige Richtung. Kommunale Friedhöfe, die nicht an eine bestimmte Religion geknüpft sind, sind keine Seltenheit.

Kennt jemand den Prozentsatz nichtkirchlicher Beisetzungen in Deutschland?

Vorhin fuhr ich Bus, hier in Uppsala. Ich holte unseren Wellensittich von einer Freundin zurück, wo er während unseres Kurzurlaubs war. Ich steige also in den Bus und setze mich neben den Kinderwagenplatz, wo der Käfig Platz findet. Neben mir sitzt ein älterer vollbärtiger Mann, der einen Klappstuhl mit sich führt.

Es dauert nicht lange bis er mich anspricht, auf den Vogel natürlich. Als ich ihm antworte, dass es ein Weibchen ist, fragt er, warum ich kein Männchen dazu habe. Schließlich will sie sich doch paaren und das ist ja überhaupt das, worauf alles hinausläuft. Eigentlich unwillig, mich zu rechtfertigen, kamen wir dann doch recht schnell auf ihn selbst zu sprechen und er sagte, dass fast 30 Jahre lang Vögel hatte, bis “die Religiösen” es ihm verbieten liessen.

Bitte? frage ich. Ja, sagt er, sie waren der Ansicht, er behandelte seine Vögel nicht gut. Und verprügelt hätten sie ihn auch schon, weil sie echt sauer seien, weil er Leute enttaufe. Zum Beweis zeigt er mir sein Schild mit dem er sich in der Fußgängerzone auf seinen Klappstuhl setzt und Leute dazu auffordert, sich von ihm enttaufen zu lassen.

Ich komme nicht dazu, ihn zu fragen, wie er das denn mache, denn seine Haltestelle nähert sich, aber ich bekundete meine Sympathie zu seinem Tun. Er wiederholt beim Aussteigen, dass die Religiösen richtig wütend auf ihn seien, und dass eben die, die Liebe predigen, die ersten seien, die zuschlagen.

Livets Ord, die hiesigen Extremchristen, halten diese Woche ihre Europakonferenz (schwedisch) in Uppsala und es wird eine fünfstellige Besucheranzahl erwartet. Sogar der Parteichef der schwedischen Christdemokraten ist sich nicht zu schade, durch ein Gespräch mit dem radikalen Oberprediger auf dem Programm der Konferenz zu stehen.

Was wird auf so einem Treffen abseits der Mythenpropaganda beredet? Neueste Methoden, den säkularen Staat zu unterwandern? Wie man Kindern in den eigenen religiösen Schulen am besten das kritische Denken abgewöhnt?

Ich glaube, das ist ein guter Anlass, diesem Schandfleck von Uppsala diese Woche endlich einmal einen Besuch abzustatten…

Gestern wurden drei jungen Schweden zu Haftstrafen verurteilt, weil sie einen Anschlag auf das Gebäude von Livets Ord verüben wollten.

Aus diesem Anlass hier ein paar Worte über dieser Organisation, deren Hauptsitz Uppsala zu zweifelhafter Ehre gereicht. Der Name bedeutet “Wort des Lebens” und es handelt sich dabei um eine dieser neuapostolischen christlichen Vereinigungen mit charismatischen Predigern, wie sie in den USA stark verbreitet sind. Ein Überbegriff ist wohl Wort-des-Glaubens-Bewegung.

Natürlich geht es dabei um Geld und kräftige Spenden der Kirchgänger werden vorausgesetzt und wenn nötig per Gruppenzwang durchgesetzt. Jegliche Kritik ist selbstverständlich Satans Werk persönlich und wenn man nur macht, was der Leithammel sagt, wird alles gut. Nun könnte es einem ja prinzipiell einerlei sein, was andere Menschen glauben, solange sie einen damit in Ruhe lassen. Das Problem ist aber, dass solche Gruppen nach gesellschaftlichem Einfluss streben und diesen auch erreichen. Livets Ord unterhält zum Beispiel eigene Schulen und eine selbsternannte “Universität”. Wer mehr wissen will. kann hier weiterlesen, oder sich hier auf schwedisch weiter abschrecken lassen.

Ich halte Schweden generell für säkularer und atheistischer als Deutschland, weiss aber nicht, ob Vereine wie Livets Ord diesen Zustand ernsthaft gefährden oder nur die Ausnahme der Regel sind. Wie auch immer – es ist nicht nur schade sondern eine Schande, dass es so etwas immer noch gibt.