Statistik

Artikel mit dem Schlagwort Statistik.

Ein schwedisches Radioprogramm mit einem (Tier-)Verhaltensforscher hat mich auf eine interessante Tatsache aufmerksam gemacht: Ungeachtet welche Religion oder Kultur in der Welt, so finden sich jeweils etwa 25 Prozent der Bevölkerung, die sehr gläubig sind. Ihre Gehirne sind also so ausgelegt, dass sie an etwas glauben müssen. Auf der anderen Seite stehen 25 Prozent, denen die Prädisposition für Religiosität völlig abgeht. Dazwischen liegt die “restliche” Hälfte der Bevölkerung, die so oder so können und keine starke Präferenz für oder gegen Glauben haben und die sich meist an die vorherrschende Richtung anpassen.

Was folgt daraus? Zum einen wiederum die Binsenweisheit, dass alleine eine säkulare Gesellschaft allen ohne Unterdrückung gerecht werden kann, sowohl Gläubigen als auch Ungläubigen. Denn es gibt keine einheitliche Gesellschaft.

Zum anderen, dass es vergebene Liebesmüh’ ist, wirklich Gläubige von ihrem Glauben abbringen zu wollen. Allerdings ist da die Masse der Unentschiedenen, die die Religionen unverhohlen bekehren wollen und denen eigentlich eine ebenso starke Interessensgemeinschaft der Nichtgläubigen eine weltliche Sicht der Dinge nahelegen sollte.

Das ist doch einmal eine interessante Statistik.

Unter häufigen Kirchgängern in den USA finden 54%, dass Folter bei des Terrorismus Verdächtigen “oft” bzw. “manchmal” gerechtfertigt ist. 44% finden “selten” oder “nie”. Unter Kirchenabstinenzlern ist die “Mehrheit” andersherum: 42% kreuzten “oft” oder “manchmal” an, 53% “selten” oder “nie”. Einzelheiten hinter obigen Link.

Natürlich ist eine Korrelation nicht notwendigerweise ein Kausalzusammenhang, aber dann wüsste ich gerne, welcher unbekannte Faktor dafür sorgt, dass Kirchgänger Folter eher in Ordnung finden. Oder hat es doch damit zu tun, dass einem in der Kirche ein Folterinstrument als positives Symbol verkauft wird?

In den Kommentaren, die immer wieder auf ältere Artikel und die About-Seite dieses Blogs einschlagen (und die ich, nebenbei bemerkt, aufmerksam verfolge, auch wenn ich mich nicht immer einmische), taucht hin und wieder die Frage auf, wie viele Atheisten es eigentlich gibt. Das ist nicht einfach zu beantworten. Je nach Land und Art der Fragestellung zeigen Studien andere Ergebnisse. Zusätzlich muss man glauben, dass Menschen ehrlich auf solche Befragungen antworten.

Nichtsdestotrotz. In der Wikipedia steht:

Nimmt man die religiöse Selbsteinschätzung der Bürger in Umfragen als Maßstab, so liegt in den Ländern der Europäischen Union der Anteil „überzeugter Atheisten" bei ca. 5 %. Besonders hoch ist die Rate überzeugter Atheisten in Frankreich (14,6 %), und den neuen Bundesländern Deutschlands (21,7 %).

Die englische Wikipedia ist da übrigens viel ausführlicher. Von dort wurde ich auch auf die Studie “Social values, Science and Technology” der Europäischen Kommission von 2005 aufmerksam (PDF), die unter anderem folgenden Graph enthält:

Aussaugen über den eigenen Glauben in Europa

Demnach liegt Deutschland im europäischen Mittelfeld und etwa die Hälfte der Menschen glaubt an einen Gott; in meiner Wahlheimat Schweden ist es nur ein Viertel. Fasst man den Begriff “Atheist” so weit, dass er alle einschließt, die nicht explizit sagen, dass sie an einen Gott glauben, dann ist diese Gruppe genauso groß wie die der Gläubigen, in vielen Ländern sind Atheisten in der Mehrheit.

Auch wenn es nichts Neues ist, bin ich immer wieder sprachlos angesichts solcher Zahlen (englisch).

In der Rubrik “Websites aktuell” der c’t 2/2007 wurde www.monopolis.net vorgestellt. Ich finde Zahlen, wie dort in Zusammenhang gesetzt, sehr interessant. Unter “Dorf → Religion” erfährt man wie viele der Einwohner welche Religion hätten, wenn die Menschheit ein Dorf mit 1000 Einwohnern wäre. Im Gegensatz zur Weltkarte der Religionen fehlen in dieser Liste die Atheisten nicht. Sie stellen mit 167 Einwohnern sogar die drittgrößte Gruppe dar, hinter den Christen (329) und Muslimen (178). Ich finde diese Zahl erfreulich hoch und frage mich, wo sie herkommt und wie sie gemessen wurde.